Bei der Kinokarte wird doppelt überlegt

17. Oktober 2003, 22:38
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Schlechte Wirtschaftslage bringt heuer zehn Prozent weniger Besucher ins Kino

Wien - Die Lage am Kinomarkt schätzt Herbert Dörfler, Präsident der Wiener Lichtspielbetriebe nicht sehr rosig ein. Zehn Prozent weniger Besucher seien heuer zu erwarten. Laut Lichtspielverband kamen 2001 mehr als 5,8 Millionen Kinofans. Den Grund für den Besucherschwund sieht Dörfler in der schlechten Wirtschaftslage, da werde doppelt überlegt, ob man Geld für die Kinokarte ausgebe. Das gelte nicht nur für Wien, sondern europaweit. Aber: Der Kinobesuch gehört nach wie vor zur beliebten Abendgestaltung.

Investitionsförderung

Dass es kleine Kinos in Wien noch - oder wieder - gibt, ist für Dörfler der Wiener Kinoförderung zu verdanken. Er hofft, dass die bis 2004 geltende Programm- und Investitionsförderung erhalten bleibt. Derzeit verhandle er mit der Stadt darüber.

Mit Steuergeld wurde das traditionelle Gartebau-Kino noch gerettet

In den vergangenen Jahren hat sich in der Wiener Kinolandschaft viel getan. Vor zwei Jahren sind mit dem Konkurs der City Cinemas etliche - zum Teil alteingesessene - Kleinkinos vom Markt verschwunden. Mit viel Steuergeld wurde das traditionelle Gartebau-Kino gerettet, das derzeit mit der Viennale einen Erfolg feiert. Weil der Ansturm auf das Festival so groß war, wurde es um einen Tag verlängert. Vor ein paar Jahren haben internationale Kinobetreiber zahlreiche Multiplexe in Wien gebaut, etwa das UCI in der Millennium City oder das Village-Kino an der Landstraße. Marktprobleme mangels Auslastung und wegen hoher Mieten haben aber auch zu Schließungen geführt (UCI-Lassallestraße, vorübergehend das Auhof-Center).

Constantin-Gruppe dominiert

In Wien gab es per Juni 42 Kinos mit 167 Sälen, macht mehr als 30.000 Sitzplätze. Die Kinolandschaft wird von der Constantin-Gruppe dominiert, die überhaupt rund die Hälfte der österreichischen Kinos besitzt. Constantin hat nach eigenen Angaben 36 Prozent Marktanteil (Stand 2001). Dazu programmiert die Kinogruppe der Gebrüder Langhammer Dutzende andere Kinos, das heißt sie liefern das Programm. (aw, DER STANDARD Printausgabe 18/19.10.2003)

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