Bolivien feiert Rücktritt des Präsidenten

20. Oktober 2003, 08:29
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Sanchez de Lozada beugt sich dem Druck der Bevölkerung und tritt zurück - Vizepräsident Mesa übernimmt Geschäfte

La Paz - Der bolivianische Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada hat nach Angaben eines Beraters am Freitag seinen Rücktritt erklärt. Er beugt sich damit dem Druck einer anhaltenden Protestbewegung gegen seine umstrittene Politik des Neoliberalismus.

Vizepräsident Mesa übernimmt Amtsgeschäfte

Die Amtsgeschäfte übernimmt Vizepräsident Carlos Mesa, der am Montag Sanchez de Lozada seine weitere Unterstützung aufgekündigt hat. Das Parlament war unmittelbar vor der Rücktrittserklärung zu einer Krisensitzung zusammengekommen.

Den Angaben zufolge übermittelte der Präsident dem Kongress sein Rücktrittsschreiben. Zuvor hatte die Regierung mit dem Rückzug des Koalitionspartners Neue Republikanische Kraft eine weitere Schlappe erlitten. Deren Vorsitzender Manfred Reyes Villa sagte, der Präsident habe keine andere Wahl mehr als zurückzutreten.

Feiern

In der Hauptstadt La Paz feierten bereits viele den Rückzug des Präsidenten. Viele sangen die Nationalhymne. "Endlich ist dieser Kriminelle gestürzt", sagte Gewerkschaftsführer Roberto de la Cruz.

Breite Protestbewegung

Mehrere tausend Menschen zogen auch am Freitag wieder durch die Straßen von La Paz. Unter ihnen waren auch Bergarbeiter, die Dynamitstangen in der Luft schwenkten. "Wir werden nicht aufhören, bis er gegangen ist", riefen sie in Sprechchören. An den Protestaktionen beteiligen sich nahezu alle Bevölkerungsgruppen in dem von verbreiteter Armut betroffenen Andenland.

Der 73-jährige Sanchez de Lozada war vor einem Jahr zum zweiten Mal zum Präsidenten gewählt worden. Seine erste Regierungszeit dauerte von 1993 bis 1997. (APA/AP)

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    Gonzalo Sanchez de Lozada tritt zurück

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    In den Straßen von La Paz wurde der Rücktritt des Präsidenten gefeiert.

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