Sanchez de Lozada beugt sich dem Druck der Bevölkerung und tritt zurück - Vizepräsident Mesa übernimmt Geschäfte
La Paz - Der bolivianische Präsident Gonzalo Sanchez de
Lozada hat nach Angaben eines Beraters am Freitag seinen Rücktritt
erklärt. Er beugt sich damit dem Druck einer anhaltenden
Protestbewegung gegen seine umstrittene Politik des Neoliberalismus.
Vizepräsident Mesa übernimmt Amtsgeschäfte
Die Amtsgeschäfte übernimmt Vizepräsident Carlos Mesa, der am
Montag Sanchez de Lozada seine weitere Unterstützung aufgekündigt
hat. Das Parlament war unmittelbar vor der Rücktrittserklärung zu
einer Krisensitzung zusammengekommen.
Den Angaben zufolge übermittelte der Präsident dem Kongress sein
Rücktrittsschreiben. Zuvor hatte die Regierung mit dem Rückzug des
Koalitionspartners Neue Republikanische Kraft eine weitere Schlappe
erlitten. Deren Vorsitzender Manfred Reyes Villa sagte, der Präsident
habe keine andere Wahl mehr als zurückzutreten.
Feiern
In der Hauptstadt La Paz feierten bereits viele den Rückzug
des Präsidenten. Viele sangen die Nationalhymne. "Endlich ist
dieser Kriminelle gestürzt", sagte Gewerkschaftsführer Roberto
de la Cruz.
Breite Protestbewegung
Mehrere tausend Menschen zogen auch am Freitag wieder durch die
Straßen von La Paz. Unter ihnen waren auch Bergarbeiter, die
Dynamitstangen in der Luft schwenkten. "Wir werden nicht aufhören,
bis er gegangen ist", riefen sie in Sprechchören. An den
Protestaktionen beteiligen sich nahezu alle Bevölkerungsgruppen in
dem von verbreiteter Armut betroffenen Andenland.
Der 73-jährige Sanchez de Lozada war vor einem Jahr zum zweiten
Mal zum Präsidenten gewählt worden. Seine erste Regierungszeit
dauerte von 1993 bis 1997. (APA/AP)