Wengen: Pepi Strobl gewinnt vor Hermann Maier

16. Jänner 2000, 17:50

Getrübt wurde der Erfolg durch einen schwerern Sturz von Peter Rzehak


Das Sicherheitsnetz harrt dem Anprall des Schweizers Silvano Beltrametti - der Sturz verlief glimpflich.

Wien/Wengen - Als Hermann Maier am Samstag nach einer Superfahrt und überlegenem Vorsprung im Ziel abgeschwungen hatte, glaubten am Samstag viele, bereits die Fahrt des Siegers gesehen zu haben. Doch sie hatten die Rechnung ohne Josef Strobl gemacht. Denn der 25-jährige Tiroler war noch um 16 Hunderstel schneller als der Herminator, für den die starke Leistung seines Bezwingers gar nicht so überraschend kam: "Er ist ja auch die letzten Rennen und im Training gut gefahren."

Dieses Rennen auf der längsten Abfahrt der Welt war jedenfalls ein weiterer Meilenstein in der Karriere des Allrounders, der bereits am 16. Dezember 1994 ein Kapitel Skigeschichte geschrieben hatte. Damals hatte Strobl - noch als B-Kader-Läufer - bei seinem Abfahrts-Debüt in Val d´'Isere mit Startnummer 61 als totaler Nobody gleich sein erstes Rennen gewonnen und damit für ein Weltcup-Novum gesorgt.

Erstmals bei Klassiker vorn

Beim Klassiker Lauberhorn feierte Josef über fünf Jahre später seinen seinen sechsten Erfolg im Weltcup, der ihn mit besonderer Genugutung erfüllte. "Das ist sicher mein schönster Sieg. Denn Hermann ist auch gut gefahren und ihn dabei zu schlagen, ist besonders schwer." Dass er zum engsten Kreis der Sieganwärter zählte, hatte der eher kleingewachsene Läufer aus dem kleinen Dorf Holzgau mit seinen jüngsten Platzierungen in Lake Louise (4), Gröden (2 und 4), Chamonix (5) sowie im Wengen-Training ja deutlich gemacht. Und diese Konstanz stärkte das Selbstvertrauen des Lechtalers, der übrigens die Nacht zuvor wegen des Lärms vor seinem Hotel auf einer Matratze am Gang geschlafen hatte.

Trotz dieser ungewöhnlichen Schlafstelle gelang ihm nun wieder ein Coup, mit dem sich der sonst eher zurückhaltende Läufer groß ins Rampenlicht rückte. Dabei war er mit seiner Fahrt gar nicht ganz zufrieden: "Perfekt war mein Lauf nicht, denn in der langen Linkskurve am Hundsschopf hat´s mir die Ski verschlagen, sonst habe ich die Fahrt aber optimal erwischt." Nach diesem Fehler hatte er sich während seiner Fahrt geistig bereits mit Platz zwei abgefunden ("das wäre ja hinter Maier ja auch nicht schlecht gewesen"), doch mit einem starken Finish vereitelte er den 25. Weltcupsieg des Salzburgers, dessen Jagd auf den Klammer-Rekord (26) bis kommende Woche in Kitzbühel vertagt wurde.

Bereits vor diesem Rennen hatten viele Asse mehr von der Streif als vom Lauberhorn gesprochen, worauf Strobl nach seinem Sieg mit einem schelmischen Grinsen verriet: "Da habe ich mir eben gedacht, ich gewinne den Klassiker in der Schweiz."

Zurück aus dem Loch

Und dieser Erfolg war wohl der beste Beweis dafür, dass er sich wieder auf richtigen Weg befindet. Teilweise war Strobl durch Verletzungen zurückgeworfen worde, teilweise hatte er an sich selbst gezweifelt und die Ernährung zwischendurch auf Milchdiät und rohe Eier umgestellt. Doch nun passt wieder alles und auch Herrenchef Toni Giger freute sich mit seinem Schützling, dass er nach einem großen "Loch" nun wieder zu absoluter Topform gefunden hat. "Er hat von Rennen zu Rennen gezeigt, dass er stärker wird und jetzt fährt er so, wie er fahren kann."

In die Freude um den ÖSV-Doppelsieg mischte sich aber auch ein großer Wermutstropfen. Peter Rzehak kam nach dem Hundsschopf schwer zu Sturz, musste mit dem Hubschrauber abtransportiert werden und wurde von Abfahrtscoach Robert Trenkwalder mit Verdacht auf Kreuzbandriss nach Innsbruck gebracht. Sollte sich diese Befürchtung bestätigen, würde dies wohl das Ende der Karriere bedeuten.

derStandard.at berichtete live: Schauen Sie sich das an!


RESULTAT

1. Josef Strobl AUT 2:29,17 Min. (106,381 km/h)

2. Hermann Maier AUT 2:29,33 +0,16

3. Ed Podivinsky CAN 2:30,56 +1,39

4. Kristian Ghedina ITA 2:30,62 +1,45

5. Hannes Trinkl AUT 2:30,76 +1,59

. Fritz Strobl AUT 2:30,76 +1,59

7. Stephan Eberharter AUT 2:31,02 +1,85

8. Bruno Kernen SUI 2:31,04 +1,87

. Didier Cuche SUI 2:31,04 +1,87

10. Werner Franz AUT 2:31,20 +2,03

11. Alessandro Fattori ITA 2:31,58 +2,41

12. Kjetil-Andre Aamodt NOR 2:31,91 +2,74

13. Peter Runggaldier ITA 2:32,08 +2,91

14. Kurt Sulzenbacher ITA 2:32,09 +2,92

15. Andreas Schifferer AUT 2:32,11 +2,94 (APA)

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