Chaos um Pleiteflieger dauert an

19. Oktober 2003, 18:44
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Aero-Lloyd-Direktbucher müssen Rückflug selbst zahlen

Frankfurt - Während die Maschinen des insolventen Urlaubsfliegers Aero Lloyd am Boden bleiben, hängen seine Passagiere und das Unternehmen selbst in der Luft.

Das Unternehmen blieb zunächst völlig handlungsunfähig, da der zuständige Insolvenzrichter am Freitag vorerst keinen Insolvenzverwalter ernannte und auch völlig offen ließ, wann er eine Entscheidung treffen werde. Erst müsse er "die Geschäftsleitung treffen und noch einige dicke Ordner durcharbeiten, das kann dauern". Freitagnachmittag erbarmte sich dann Richter Günther Orgaß (Bad Homburg) doch noch und bestellte den Frankfurter Rechtsanwalt Gerhard Walter zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Weiterhin gibt es massive Probleme für jene tausenden Passagiere, die aufgrund der Pleite des Ferienfliegers gestrandet sind. Besonders arg trifft es Urlauber, die direkt bei Aero Lloyd gebucht haben - denn sie sind im Gegensatz zu Reisebürokunden weder versichert noch ist jemand dafür zuständig, ihnen einen Ersatzflug zu besorgen. Für diese Fluggäste, die ihre Ersatzflüge selbst bezahlen müssen, soll der Touristikkonzern TUI als Marktführer das Krisenmanagement koordinieren.

Verkehrsbüro hilft

Für seine eigenen Kunden hat der Touristikkonzern Thomas Cook nach eigenen Angaben bis einschließlich Dienstag bereits Ersatzflüge für gestrichene Aero-Lloyd-Verbindungen organisiert. Insgesamt seien 8100 Alternativplätze geplant, alleine am Freitag waren es 1500.

Ein Sprecher des Österreichischen Verkehrsbüros erklärte am Freitag gegenüber dem Standard, dass etwa 400 seiner Kunden unmittelbar betroffen wären: "Bis jetzt haben wir alle in erträglicher Zeit zurückgekriegt." Auf Anfrage unterstütze man auch Direktbucher dabei einen Ersatz zu bekommen, jedoch blieben die Kosten in diesen Fällen bei den Passagieren; bei Reisebürokunden muss der Reiseveranstalter dafür aufkommen.

Kritik gibt es inzwischen an der Vorgangsweise der BayernLB, die sowohl Miteigentümer als auch Kreditgeber der Aero Lloyd ist und das völlig überraschende Grounding der Fluglinie Donnerstagfrüh auslöste, nachdem sie in der Nacht auf Donnerstag die Unterstützung einstellte. "Unser Ziel war der Verkauf an einen Investor", sagte ein Sprecher der Landesbank der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Doch für die BayernLB bedeute die Insolvenz zumindest, dass sie nicht noch mehr Geld mit der deutschen Charterfluglinie verliert. (APA, spu, Der Standard, Printausgabe, 18.10.2003)

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