Langsames Sterben nach dem Krieg

20. Oktober 2003, 13:58
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Konferenz in Hamburg über uranhaltige Munition - Strahlen-Grenzwerte massiv überschritten

Hamburg - Eine zehnfach höhere Krebsrate, sieben Mal mehr Missbildungen bei Kindern: Diese erschreckenden Zahlen aus Basra präsentierte die irakische Wissenschaftlerin Genan Hassan am Freitag auf einer internationalen Konferenz in Hamburg. Die Epidemiologin der Universität Basra sprach von einem Verbrechen, das die USA im Golfkrieg 1991 mit uranhaltiger Munition im Irak begangen hätten. Um das 84-fache werde der von der Weltgesundheitsorganisation empfohlene Strahlen-Grenzwert dort überschritten.

Schwere Vorwürfe erhob auch US-Anwältin Karen Parker, die bereits seit 20 Jahren Mitarbeiterin der Vereinten Nationen ist. Über die Internationale Atomenergie-Organisation werde verhindert, dass langfristige Untersuchungen über die gesundheitlichen Auswirkungen uranhaltiger Munition durchgeführt würden. "Die Zusammenhänge zwischen den Geschossen und Erkrankungen wie Krebs oder dem 'Golfkriegssyndrom' sind jedoch offensichtlich", sagte Parker. "Die Langzeitwirkungen der Waffen machen sie zu Massenvernichtungsmitteln."

Studien unter Verschluss

Der Amerikaner Doug Rokke warf seiner Regierung vor, gar kein Interesse an einer Untersuchung gesundheitlicher und umweltbezogener Auswirkungen dieser Munition zu haben. Der Mediziner war nach eigenen Angaben Leiter eines Teams, das für die Räumung verstrahlter Panzer nach dem Golfkrieg 1991 verantwortlich war. 30 seiner Kollegen seien inzwischen gestorben, er selbst sei schwer erkrankt. Dabei gab es seinen Angaben nach ab 1991 Studien über die gesundheitlichen Gefahren. Auf schriftliche Anweisung seien diese jedoch unter Verschluss gehalten worden.

Die Konferenzteilnehmer, die unter anderem aus Afghanistan, Japan und Australien kommen, werden noch bis zum Sonntag in Workshops und Diskussionen über das Thema "Uranwaffen: Die trojanischen Pferde der Atomkriege" beraten. Ihr Ziel ist eine Ächtung uranhaltiger Munition. "Dazu muss vor allem die Informationsblockade durchbrochen werden", erklärte die Mit-Organisatorin der Veranstaltung, Renate Domnick. (APA/AP)

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    Bagdad, September 2003: Uranummantelte Munition im Einsatz von US-Patrouillen

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