Doping in den USA: Vom Vertuschen zum Aufklären

21. Oktober 2003, 16:11
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Erst mit dem Olympiaskandal im Jahr 2000 begann in den USA das Umdenken

Los Angeles - Nach dem Zusammenbruch des kommunistischen Systems in Osteuropa, das auch das Staatsdoping hervorgebracht hatte, galten die USA als jenes Land, in dem die Manipulation im Hochleistungssport noch in Blüte stand. Dies beruhte auf der Mentalität des Berufssports, dass alles erlaubt sei, was die Leistung fördert. Zugleich fehlte die Bereitschaft der führenden Organisationen, des Nationales Olympische Komitee (USOC) und des nationalen Leichtathletik-Verbandes (USTAF), Doping zu bekämpfen.

Keine Bereitschaft vorhanden

Beide Dachverbände erweckten hingegen immer wieder den Anschein der Vertuschung. So verweigern sie bis zum heutigen Tag die Bekanntgabe jener 13 Athleten, die vor den Olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney positiv getestet worden waren und dennoch in Sydney an den Start gehen konnten. Einer von ihnen ist 400-m-Weltmeister Jerome Young, dessen Namen die "Los Angeles Times" enthüllten. Der Fall des Staffel-Olympiasiegers über 400 m wird gegenwärtig von einem Untersuchungsausschuss des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) geprüft.

Die Wende in der Antidoping-Politik des US-Sports fiel Anfang 2000 mit der Gründung der Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zusammen. Der Drogenbeauftragte des Weißen Hauses, Barry McCaffery, unterstützte die WADA, nachdem er sie zuvor bekämpft hatte. Die US-Regierung stimmte der Gründung einer unabhängigen nationalen Anti-Doping-Agentur (USADA) zu und half bei ihrer Finanzierung. Mit Terry Madden wurde ein respektierter Experte an die Spitze der Organisation berufen, die seit knapp zwei Jahren auch die Trainingskontrollen bestimmt und durchführt.

Rauswurf-Drohung zeigte Wirkung

Beschleunigt wurde der Kampf gegen das Doping in den USA durch den Druck, den der neue IOC-Präsident Jacques Rogge und WADA-Chef Richard Pound ausübten. So drohte Pound noch im April dem olympischen Sport der USA mit "Rauswurf", falls er seine Haltung zum Betrug im Hochleistungssport nicht grundsätzlich ändere. Er müsse "die Tür zur Vergangenheit zuschlagen", andernfalls "fliegen sie raus. Sie würden nie mehr Olympische Spiele, Weltmeisterschaften bekommen." Diesen drastischen Schritt würde auch "Rogge, ohne mit der Wimper zu zucken, tun". Das US-NOK hätte in der Vergangenheit eine Politik verfolgt, "Leute, die positiv getestet worden sind, routinemäßig zu entlasten".

Das jüngste Aufdecken von Massendoping durch die USADA scheint ein Beleg dafür zu sein, dass der Kampf gegen Doping nun auch in den USA mit großer Konsequenz aufgenommen worden ist. Allerdings bedurfte es erst eines anonymen "Kronzeugen", um den Prozess der Aufdeckung in Gang zu bringen. (APA/dpa)

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