Im UV-Licht grün leuchtende Ferkel gezüchtet

23. Oktober 2003, 12:20
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Gen-Information wurde mittels Viren in Schweine-Embryonen eingeschleust

London/München - Münchner Forscher haben mit einer neuen Methode genveränderte Ferkel erzeugt, die im UV-Licht grün leuchten. Das Team von der Ludwig-Maximilians-Universität infizierte dazu Schweine-Embryonen mit Viren, die die Gen-Information für das so genannte Grün Fluoreszierende Protein (GFP/Green Fluorescent Protein) enthielten. Die Forscher hoffen, mit der Methode einfacher und kostengünstiger Tiere mit fremder Erbsubstanz züchten zu können.

Die Wissenschafter um Alexander Pfeifer (Zentrum für Pharmaforschung) und Eckhard Wolf (Genzentrum) berichten über ihre Ergebnisse in der Online-Ausgabe des Fachblatts "Embo Reports" (Bd. 4, S. 2). "Von 46 ausgetragenen Ferkeln glühten 30 im UV-Licht grün auf", sagte Pfeifer am Freitag. Dies sei ein Zeichen dafür, dass sich die Baupläne für das Leucht-Eiweiß in den Genen der Ferkel verankerten.

Lentiviren als Genfähren

Die Forscher setzten Lentiviren als so genannte Genfähren in die Embryo-Zellen ein. Bisher wurde bei derartigen Versuchen meist die fremde DNA direkt in den Zellkern gespritzt. "Das ist zu einem technisch aufwendig, und der Zellkern ist schwierig zu finden", erklärte Pfeifer. Die Methode habe nur bei ein bis zehn Prozent der ausgetragenen Tiere Erfolg gezeigt.

Mit Hilfe der Genfähren habe sich dagegen bei 65 Prozent der Tiere das Erbgut in gewünschter Weise verändern lassen. "Die Viren haben den Weg zum Zellkern selbst gefunden." Zudem wurden die Leucht-Proteine nicht nur in Haut und inneren Organen nachgewiesen, sondern auch in den Keimzellen der Ferkel. Die nächste, auf natürlichem Wege gezeugte Ferkelgeneration wird den Angaben zufolge auch die neue genetische Information aufweisen. Das Prinzip, bestimmte Viren als Genfähren einzusetzen, ist nicht neu. Die Lentiviren erwiesen sich in den Münchner Versuchen jedoch als besonders geeignet.

Einsatzmöglichkeiten transgener Tiere

So genannte transgene Tiere könnten einmal als Organspender für Menschen dienen. Zudem könnten Krankheiten wie Diabetes an solchen Tieren besser erforscht werden und krankheitsresistente Tiere für die Landwirtschaft gezüchtet werden, sagte Pfeifer. Das für die Tiere ungefährliche GFP wird bei Gen-Versuchen häufig eingesetzt, da der Erfolg der Aktion prompt sichtbar ist. Auch Fische und Mäuse leuchten schon in Forschungslaboren weltweit. (APA/dpa)

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