Pasteurs Ruf angezweifelt

18. Oktober 2003, 19:00
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Britischer Forscher: Schottischer Arzt erkannte die Bedeutung von Bakterien fast 20 Jahre früher

New York - Der Ruf von Louis Pasteur als Begründer der Mikrobiologie ist nach Einschätzung eines britischen Forschers nicht berechtigt. Dem Biologen zufolge erkannte ein schottischer Arzt die Bedeutung von Bakterien als Ursache von Krankheiten fast 20 Jahre früher als der Franzose. Als erster Mensch habe der Chirurg John Goodsir aus Edinburgh eine bakterielle Infektion erkannt und geheilt, behauptet der britische Biologe Milton Wainwright nach der Durchsicht zeitgenössischer Dokumente.

"Die Idee, dass Pasteur die Erregertheorie 1860 entwickelte, ist absolut lächerlich", sagte Wainwright dem Magazin "Nature". Demnach untersuchte Goodsir schon 1842 Erbrochenes eines kranken Buben unter einem Mikroskop und entdeckte dabei Kleinlebewesen, die er nach sich selbst Sarcina Goodsir benannte. Die Erreger sind heute unter dem Namen Sarcina ventriculi bekannt. Der Arzt heilte den Patienten antiseptisch mit Natriumhyposulfit und Karbolsäure.

Goodsir veröffentlichte zwar seine Erkenntnisse, konnte sich aber innerhalb der Fachwelt nicht durchsetzen. Erst Pasteur schaffte es, die Medizin von der Bedeutung von Keimen als Krankheitsverursacher zu überzeugen. Das Pasteur-Institut in Paris verteidigt dagegen die geltende Lehrmeinung: "Niemand hat behauptet, dass Louis Pasteur der erste und einzige war, der Bakterien für eine Infektionsquelle hielt", betonte eine Sprecherin. Aber er habe dies als erster wissenschaftlich nachgewiesen, Wege zur Prävention von Infektionen erdacht und das Wissen verbreitet. (APA/AP)

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Nature
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    Büste des Franzosen Louis Pasteur in Vietnam (Archivbild)

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