"Menschenrecht auf Geborenwerden?"

23. Oktober 2003, 17:00
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Bei den Mariazeller Gesprächen wird über Pros und Kontras der pränatalen Diagnostik diskutiert

Graz - Pros und Kontras der pränatalen Diagnostik und den damit verbundenen Möglichkeiten, Erbkrankheiten oder Behinderungen schon vor der Geburt eines Kindes festzustellen, werden im Mittelpunkt der "Mariazeller Gespräche" vom 24. bis 26. Oktober stehen. Als Referenten hat die steirische Forschungsgesellschaft Joanneum Research, die die Veranstaltung initiiert hat, hochrangige Fachleute aus der Medizin, Genetik, Rechtswissenschaft, Theologie und Philosophie eingeladen. Grundsatzreferate halten die Biochemikerin und Wittgenstein-Preisträgerin Renee Schroeder sowie der steirische Diözesanbischof Egon Kapellari.

Pränatale Diagnostik kann voraussichtlich lebensgefährliche Anomalien der Entwicklung eines Embryos entdecken, die zu schweren Erkrankungen des Kindes führen könnten. "Der in unserer Gesellschaft weit verbreitete Glaube, dass ein gesundes Kind machbar ist, fördert die Haltung, bestimmte Formen des Lebens als 'unzumutbar' auszugrenzen", heißt es in der Einladung zu den "Mariazeller Gesprächen". Wie kann verhindert werden, dass die von Eltern und Medizinern gewünschte Information über die Beschaffenheit des Embryos nicht zu einem Selektionsmechanismus führt, so die Fragestellung der Veranstalter. Darauf will man in der obersteirischen Tagung nach möglichen Antworten suchen.

Programm

Eröffnet werden die Gespräche am Freitag, 24. Oktober (ab 17.30 Uhr), mit Vorträgen der Biochemikerin Renee Schroeder, dem Diözesanbischof Egon Kapellari und dem Grazer Rechtsphilosophen Peter Strasser. Am folgenden Tag stehen Diskussionen mit Impulsreferaten aus u.a. fachwissenschaftlicher (Barbara Pertl von der Grazer Uni-Frauenklinik) und juridischer Sicht (Irmgard Griß vom Obersten Gerichtshof), am Programm. Eingeladen wurde auch ein betroffenes Ehepaar, das über seine Erfahrungen mit pränataler Diagnostik berichten wird. Weitere Vortragende sind u.a. der Tübinger Moraltheologe Dietmar Mieth und der Grazer Sozialethiker Leopold Neuhold.

Verantwortung zu übernehmen und moralisch zu entscheiden brauche Orientierung und Nachdenken - "vorher, bevor der ethische Krisenfall eingetreten ist", so Bernhard Pelzl, Geschäftsführer von Joanneum Research. Die "Mariazeller Gepräche", die in diesem Jahr zum zweiten Mal stattfinden, sollen ein Ort sein, dieses "Nachdenken zu üben und im Gespräch nicht nur mit Experten, sondern auch mit Betroffenen Orientierung zu erhalten", so der Veranstalter. (APA)

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