Toter im Schrebergarten: Unfall kein Mord

19. Oktober 2003, 09:26
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59-Jähriger in Wien-Döbling stürzte vermutlich mit seinem Fahrrad und ist erfroren

Wien - Die Polizei spricht von einem Tod "unter bedenklichen Umständen": Vor einem Haus in einer Kleingartensiedlung in Wien-Döbling wurde am Freitag die Leiche eines Mannes gefunden. Der mit einer Unterhose bekleidete Tote wies Blutflecken und Hämatome auf.

Die Leiche lag auf dem mit Betonplatten ausgelegten Grundstück vor dem Gartenhaus, das der allein stehende Mann ganzjährig bewohnt hatte. Das Häuschen in der Grinzinger Straße wurde möglicherweise durchwühlt. Die Ermittler halten auch Tod Erfrieren für wahrscheinlich:

Verkettung unglücklicher Umstände

Der Mann, der nur mit einer Unterhose bekleidet war, dürfte durch eine Verkettung unglücklicher Umstände gestorben sein. Laut dem stellvertretenden Leiter der KD 1, Dr. Hannes Scherz, war der Mann in der Nacht auf dem Heimweg offenbar mit seinem Fahrrad gestürzt und anschließend erfroren.

Durcheinander war selbstverursacht

Nach dem Unfall dürfte sich der 59-Jährige, bei dem Blutflecke und Hämatome festgestellt wurden, zunächst im Garten entkleidet und gereinigt haben. Darauf wies unter anderem ein blutverschmiertes Handtuch hin, das fein säuberlich aufgehängt bei dem Gartenhaus gefunden wurde. Möglicherweise ist er anschließend hilflos vor seiner Hütte auf den Steinplatten erfroren. Das Durcheinander, das die Ermittler vorfanden, - zunächst wurde spekuliert, jemand habe den Schrebergarten durchsucht - dürfte er selbst angerichtet haben.

Von Nachbar gefunden

Der Tote hatte nach ersten Erkenntnissen offenbar ganzjährig in dem Gartenhaus gelebt. Er war allein stehend und hatte für seine Nachbarn des öfteren Handwerkstätigkeiten durchgeführt. Gefunden wurde der Mann von einem Bekannten, dem er eine solche Arbeit versprochen hatte, jedoch nicht aufgetaucht war.

Zunächst hatte man eine Gewalttat vermutet. Mittlerweile gehen die Ermittler jedoch von einem Unfall aus, sagte Scherz

Routineuntersuchung Richtung Mord

Routinemäßig wird aber auch in Richtung Mord untersucht. In Österreich gibt es jährlich etwa 150 derartige Verbrechen. Die Aufklärungsrate liegt bei 95 Prozent. (APA, red)

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