Olympisches Komitee droht Leichtathletik-Verband mit Auflösung

21. Oktober 2003, 16:11
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Nach Auffliegen des größten Doping-Skandals geht es in den USA rund

San Francsico/Raleigh - Nach der Entdeckung des anabolen Steroids Tetrahydrogestrinon (THG) und damit des vermutlich größten Dopingskandals in der Geschichte des amerikanischen Sports überschlagen sich in den USA die Ereignisse. Über 40 US-Athleten aus verschiedenen Sportarten werden demnächst dazu vernommen und das Olympische Komitee der USA (USOC) hat dem Leichtathletik-Verband sogar mit der Aberkennung gedroht, sollte er keine entsprechenden Maßnahmen ergreifen, um die Glaubwürdigkeit wieder her zu stellen.

Aberkennung angedroht

"Wir schließen nichts mehr aus. Wir sind in diesem Bereich mit anderen Sportverbänden bereits so verfahren und es kann wieder passieren", sagte USOC-Präsident Bill Martin. USOC liegt ja seit einiger Zeit auch wegen der Doping-Affäre um 400 m-Weltmeister Jerome Young im Clinch.

Am vergangenen Donnerstagabend hatte die amerikanische Anti-Doping-Agentur (USADA) bekannt gegeben, dass bei mehreren US-Topathleten in der A-Probe die Einnahme des Steroids THG nachgewiesen worden ist. THG soll im Bay Area Laboratory Co-Operative (BALCO) in Burlingame hergestellt worden sein. Das kalifornische Unternehmen produziert vor allem Nahrungsergänzungsmittel. Zu seinen Kunden zählen neben Wagner-Athletin Kelly White auch die Sprinter Marion Jones und Tim Montgomery sowie Baseball-Star Barry Bonds, der auch vor Gericht aussagen muss.

Prominente Kunden beim THG-Hersteller

"Ich habe wirklich überhaupt nichts mit der Sache zu tun", versicherte White, die trotzdem fürchten muss, ihre Goldmedaillen von der WM in Paris zu verlieren, weil sie der Einnahme der verbotenen Stimulanz Modafinil überführt worden war. Wie sich inzwischen herausgestellt hat, verwendete sie das Präparat auch schon bei den nationalen Titelkämpfen im Juni im kalifornischen Stanford.

Laut US-Medien seien mindestens sechs US-Leichtathleten positiv auf THG getestet worden. Darunter befände sich mit Kevin Toth auch einer der weltbesten Kugelstoßer. Sein Agent John Nubani sagte der "Washington Post", Toth sei sich wahrscheinlich nicht darüber im Klaren gewesen, dass THC ein anaboles Steroid sei, weil es nicht auf der Verbotsliste des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) stehe.

BALCO-Gründer ist sich keiner Schuld bewußt

Victor Conde, Gründer und Präsident des dubiosen BALCO-Labors, wehrt sich unterdessen in E-mails an Medien gegen die Vorwürfe. Er habe nichts Falsches getan, weil THG weder ein Steroid noch illegal sei, schreibt der 53-Jährige und wirft der nationalen Anti-Doping-Agentur USADA vor, sie habe große Teile der Skandal-Geschichte erfunden. "Meiner Meinung nach geht es bei dieser Sache mehr um Politik als um Wissenschaft", schrieb Conte weiter. Es gebe keine Beweise dafür, dass THG irgendwelche anabolen Effekte besitze. (APA/Reuters/dpa)

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