Streit um Auslöser des "Toxischen Schocksyndroms"

17. Oktober 2003, 12:20
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USA: Tampons oder Gendefekt als möglicher Grund - KritikerInnen vermuten Studie als Schutz vor Sammelklagen

London - Eine neue Studie zur Ursache des Toxischen Schocksyndroms (TSS) entzweit amerikanische MedizinerInnen. Der Streit dreht sich darum, ob das gefährliche Syndrom durch Tampons verursacht wird oder ob die betroffenen Frauen einen genetischen Defekt haben. Auslöser des toxischen Schocks ist das Toxin TSST-1, das von Bakterien des Typs Staphylococcus aureus produziert wird.

Diese Bakterien leben unter anaeroben Bedingungen gewöhnlich harmlos unter anderem in der Scheide, können das Toxin jedoch produzieren, wenn sie durch Tampons in Kontakt mit Sauerstoff kommen. Zu den TSS-Symptomen zählen Fieber, Ausschlag, Erbrechen, in etwa fünf Prozent der Fälle endet der Schock tödlich. In den USA verwenden schätzungsweise 50 Millionen Frauen Tampons, mehrere tausend Frauen erleiden pro Jahr einen toxischen Schock.

Anfällig durch Erbanlagen

Eine Studie der Universität Tennessee in Memphis ergab nun laut dem Magazin "New Scientist", dass die betroffenen Frauen wahrscheinlich wegen ihrer Erbanlagen besonders anfällig sind. Bei Untersuchungen von 19 Patientinnen, die einen toxischen Schock erlitten hatten, stellten die ForscherInnen fest, dass den Frauen Antikörper gegen das Toxin fehlten. Im Gegensatz dazu wurden bei 35 von 39 gesunden Frauen Antikörper gefunden. Finanziert wurde die Untersuchung vom Tampon-Hersteller Procter & Gamble.

Der Mikrobiologe Philip Tierno von der Universität New York, der die Verbindung zwischen TSS und der Verwendung von Tampons entdeckt hatte, widerspricht der Schlussfolgerung seiner KollegInnen aus Memphis. "Der Grund, weshalb die meisten Patientinnen keine Antikörper bilden, liegt darin, dass das Toxin die Bildung von Antikörpern verhindert", betont Tierno im "New Scientist".

Studie als Schutz vor Klägerinnen?

Tatsächlich ist TSST-1 ein so genanntes Super-Antigen: Hohe Konzentrationen des Toxins lösen eine Überreaktion des Immunsystems aus und verhindern damit eine Antikörper-Produktion. KritikerInnen vermuten, die Studie diene den Tamponherstellern dazu, sich vor Klagen von TSS-Opfern zu schützen. Der Anwalt Mark Hutton, der 1996 in einer Sammelklage 1.000 Frauen vertrat, glaubt, Procter & Gamble wolle durch die Studie seine Verteidigung stärken mit der Begründung, eigentlich seien nicht die Tampons schuld an TSS, sondern die genetischen Anlagen der Frauen. (APA/AP)

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