Gewerkschaft fordert 35-Stunden-Woche

20. Oktober 2003, 17:20
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Ohne Reduktion des Grundentgelts

Wien - Zum Abschluss seiner inhaltlichen Arbeit hat der ÖGB auf seinem Bundeskongress am Freitag die Forderung nach schrittweiser Einführung der 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich bekräftigt. Die Gewerkschaft sieht darin ein Mittel, um die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen.

"Vollbeschäftigung war und ist eines der wichtigsten Ziele des ÖGB. Zwar ist dieses auch durch die 35-Stunden-Woche nicht automatisch gesichert, doch es ist unbestritten, dass Arbeitszeit ein wichtiger Faktor der Beschäftigungspolitik ist", heißt es im einstimmig beschlossenen Leitantrag zum Thema Arbeitszeit.

Als besonders wichtig erachtet es die Gewerkschaft, dass eine Verkürzung der Arbeitszeit ohne Reduktion des Grundentgelts erfolgt. "Ansonsten würde eine Arbeitszeitreduktion zu einer Kaufkraftminderung führen." Der ÖGB gesteht zu, dass eine Arbeitszeitverkürzung vorübergehend zu vermehrten Überstunden führen würde. "Die Erfahrungen zeigen aber, dass dieser Effekt nicht von Dauer ist."

Eine Flexibilisierung der Arbeitszeit befürwortet der ÖGB, wenn sie den Beschäftigten mehr Lebensqualität bringt. Die Rahmenbedingungen dafür sollten in Kollektivverträgen geregelt werden. Weiters fordert der ÖGB für die Arbeitnehmer ein Recht auf Wechsel der Arbeitszeit. Das von der Regierung beschlossene Recht auf Teilzeit bis zum Schuleintritt des Kindes sei "nur eine halbe Sache", meinte GPA-Vorsitzender Hans Sallmutter, weil es nur für Mitarbeiter in Betrieben ab 20 Beschäftigten gelten soll.

Im Leitantrag zum Thema "Globale Vernetzung - globale Aktion" fordert der ÖGB einen Stopp der Verhandlungen über den Handel mit Dienstleistungen (GATS), um zunächst die bisher schon getätigten Liberalisierungsschritte und ihre sozialen Auswirkungen zu evaluieren. Für internationale Institutionen wie Weltbank, Währungsfonds und Welthandelsorganisation plädiert der ÖGB für eine Reform, die mehr Transparenz und demokratische Legitimierung bringen soll. Für die am wenigsten entwickelten Länder verlangt der ÖGB einen allgemeinen Schuldennachlass. (APA)

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