Koalitionspartei schließt sich Protestbewegung an

18. Oktober 2003, 01:39
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Aus Regierung ausgetreten - 50.000 Menschen marschieren gegen Präsident Sanchez de Lozada nach La Paz

La Paz - Am fünften Tag der Massendemonstrationen in Bolivien hat eine Koalitionspartei ihren Austritt aus der Regierung erklärt und sich der Protestbewegung angeschlossen. Präsident Gonzalo Sanchez de Lozada habe keine andere Möglichkeit mehr als den Rücktritt, sagte am Freitag der Vorsitzende der Neuen Republikanischen Kraft (NFR), Manfred Reyes Villa. Damit verliert der Präsident eine wichtige politische Kraft im Parlament.

Mit einem Marsch auf La Paz verliehen zehntausende Menschen ihrer Forderung nach einem Rücktritt von Präsident Sanchez de Lozada Nachdruck. Die Demonstranten zogen am Donnerstag (Ortszeit) in sechs Protestzügen ins Stadtzentrum von La Paz in der Nähe des Präsidentenpalastes. Der Staatschef lehnte einen Rücktritt trotz des wachsenden öffentlichen Drucks erneut ab.

Größte Demonstration

Die Demonstration in La Paz war mit rund 50.000 die größte seit Beginn der Protestwelle vor vier Wochen. Die Polizei trieb die Kundgebungsteilnehmer mit Tränengas auseinander, neue Opfer gab es jedoch nicht. Demonstranten hielten die Ausfallstraßen der Stadt besetzt, der internationale Flughafen von El Alto, einer Satellitenstadt von La Paz, ist deshalb seit Tagen geschlossen, wegen der Unruhen sitzen in La Paz rund hundert Deutsche fest. Aus El Alto strömten am Freitag weitere Demonstranten nach La Paz. Laut Menschenrechtsorganisationen kamen bisher mindestens 86 Menschen ums Leben.

Nach dem Rückzug der Neuen Revolutionären Kraft gab es in La Paz spontane Jubelfeiern. Gruppen von Demonstranten zündeten Feuerwerkskörper und stimmten die bolivianische Nationalhymne an. In La Paz wurden zwei von Argentinien und Brasilien entsandte Vermittler erwartet. (APA/AP)

  • Zehntausende friedliche Protestanten fordern den Rücktritt des Präsidenten
    foto: epa/leo la valle

    Zehntausende friedliche Protestanten fordern den Rücktritt des Präsidenten

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    Manfred Reyes Villa verläßt mit seiner Partei die Regierungskoalition

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