Sorge um Kostenschub im Spital

17. Oktober 2003, 19:00
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Die Wiener Neustädter beklagen den vervielfältigten "Trägeranteil" in ihrem Spital, da Bund, Land und Versicherung ihre Beiträge deckelten

Wiener Neustadt - Während Finanzlandesrat Wolfgang Sobotka (VP) seine Investitionen in Niederösterreich Spitäler preist, klagt Wiener Neustadt über rasant ansteigende Kosten durch sein Schwerpunktkrankenhaus. Der Wiener Neustädter Trägeranteil habe vor zwei Jahren "nur" rund 9,4 Millionen Euro betragen - werde aber Prognosen zufolge bereits 2004 rund 22 Millionen Euro betragen, warnten Gesundheitslandesrat Emil Schabl (SP) und Vizebürgermeister Holger Linhart (SP) am Donnerstag.

Beiträge zum Gesundheitssystem gedeckelt

Seit 1997 habe sich der Trägeranteil gemessen am Gesamtaufwand für das Krankenhaus von 5,99 auf 16,93 Prozent erhöht. Der Grund dafür sei, dass Bund, Land und Sozialversicherung ihre Beiträge zum Gesundheitssystem deckeln "und die Finanzierung eins zu eins auf die unterste Ebene abwälzen".

Derzeit sind im Neustädter Spital 2278 Personen beschäftigt, 1292 davon kommen nicht aus der Stadt. Bei den Patienten sind es sogar über 80 Prozent, die nicht aus Wiener Neustadt stammen. Das Verhältnis im Jahre 2002 betrug 32.509 zu 8036.

Wiener Neustadt über Gebühr belastet

Daher sei "es nicht einzusehen, weshalb Wiener Neustadt über Gebühr belastet wird", so Linhart. Er forderte Sobotka auf, "endlich die Mittel für die Krankenhäuser aufzustocken". Es gehe um die optimale Versorgung der Bevölkerung mit medizinischen Leistungen. Der Kommunalpolitiker stellte klar, dass eine Übernahme des Krankenhauses durch das Land nicht in Frage komme, weil sich die Stadt dadurch überhaupt nichts ersparen würde.

Schabl sprach sich für strukturelle Änderungen im Krankenhausbereich aus und wiederholte seinen Vorschlag, Regionalholdings zu gründen. Dabei gehe es nicht um Eigentumsverhältnisse, sondern ausschließlich darum, die Qualitätsstandards im Gesundheitswesen zu halten beziehungsweise auszubauen.

Investitionsbilanz

Sobotka hatte am Donnerstag bereits vorab seine Bilanz ausgesandt: "Das Land Niederösterreich investiert 702 Millionen Euro in den Ausbau und die Modernisierung der Spitäler." Niederösterreichs Krankenhäuser sollten "Gesundheitsdrehscheiben der Regionen sein, die ständig modernisiert und auf den letzten Stand der Technik gebracht werden".

Wichtigste Bauprojekte seien etwa: Umbau des Krankenhauses Amstetten, Ausbau des Krankenhauses Korneuburg, Aus- und Umbau des Krankenhauses Mistelbach. Die größten Projekte ab 2004 seien der Bau der Strahlentherapie im Krankenhaus Krems und der Ausbau des Spitals Wiener Neustadt: "Zuerst 37,4 Millionen Euro für Interne, Dialyse, und Unfall-Chirurgie, ab 2012 weitere 38 Millionen Euro für den Neubau der Küche und die Aufstockung des Turmes Ost." (APA, frei, DER STANDARD Printausgabe 17.10.2003)

Die Wiener Neustädter beklagen den vervielfältigten "Trägeranteil" in ihrem Spital, da Bund, Land und Versicherung ihre Beiträge deckelten. Der VP-Finanzlandesrat kontert die SP-Vorwürfe mit einer Leistungsbilanz.
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