Frauenarbeit zum Nulltarif

16. Oktober 2003, 20:59
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Seit dem "Equal Pay Day" arbeiten Frauen in Österreich statistisch gesehen gratis - und das bis Jahresende

Graz - Auf die Problematik der geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede machte Peripherie, das Institut für praxisorientierte Genderforschung, mit dem "Equal Pay Day 2003" aufmerksam. Demzufolge ergaben die Berechnungen für 2002 bei einem arbeitszeitbereinigten Einkommensunterschied von 22 Prozent den 12. Oktober als "Equal Pay Day". Dieser Tag markiert den Zeitpunkt, ab dem Frauen statistisch gesehen gratis arbeiten, weil Männer in Österreich 22 Prozent mehr verdienen und somit für den Rest des Jahres ein Einkommen haben, während Frauen ihr Jahreseinkommen bis zu diesem Datum bereits erwirtschaftet haben.

Vergleich

Bei der Peripherie-Veranstaltung zum "Equal Pay Day" thematisierte Edeltraud Ranftl, Universitätsassistentin am Institut für Soziologie an der Universität Linz, die Maßnahmen zur Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben zur gleichen Bezahlung nicht nur von gleicher sondern insbesondere von gleichwertiger Arbeit: Ein Vergleich von (vergleichbaren) Arbeitsplätzen wird mittels Arbeitsbewertungsverfahren durchgeführt, um ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern nachzuweisen und zu bekämpfen. Es geht dabei beispielsweise um die Berücksichtigung der Kraftbelastung (z.B.: das Heben von kranken Personen) als ein Bewertungskriterium, das bei typischen Frauenarbeitsplätzen oft nicht in die Arbeitsplatzbeschreibung eingeht und aufgrund dessen typische Frauenarbeit geringer als vergleichbare typische Männerarbeit bezahlt wird.

Maßnahmen

Der wichtigste Schritt zur Herstellung der Entgeltgleichheit, so das Fazit einer Expertinnen-Runde, ist in allererster Linie die Umsetzung der gesetzlichen Vorgaben des Gleichbehandlungsgesetzes von 1979, das Entgeltdiskriminierung verbieten. In diesem Zusammenhang seien transparente Lohnschemata, diskriminierungsfreie Arbeitsplatzbeschreibungen und Arbeitsbewertungen sowie eine Überprüfung von Kollektivverträgen notwendige Voraussetzungen.

Als weitere wichtige Schritte stellten die Expertinnen - Silvana Rabitsch (Gleichbehandlungsbeauftragte der Stadt Graz), Elke Lujansky-Lammer (Regionalanwältin für Gleichbehandlungsfragen Steiermark), Bettina Schrittwieser (Arbeiterkammer Steiermark, Frauenreferat) und Edeltraud Ranftl - die Bewusstseinsarbeit und Sensibilisierung über das Menschenrecht der Gleichbehandlung von Frauen und Männern sowie die Vermittlung von Wissen über die gesetzlichen Grundlagen für die relevanten Akteurinnen und Akteure (Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, Betriebsräte, Dienstgeberinnen und Dienstgeber, Beraterinnen und Berater der Gewerkschaften) fest.

Ziel

Der "Equal Pay Day" soll in Zukunft jährlich organisiert werden. Sind die Strategien zum Abbau der geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede erfolgreich, müsste sich das Datum des Tages immer weiter nach hinten verschieben – in Norwegen fällt der "Equal Pay Day" beispielsweise auf einen Tag im November. Wenn es keine geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede mehr gibt, dann fällt der Tag auf den 31. Dezember, weil Frauen und Männer gleichviel verdienen. (red)

Peripherie - Institut für praxisorientierte Genderforschung,
Friedrichgasse 3/II,
8010 Graz,
Tel/Fax: 0316/817342,
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