Prozess:Tödlicher Schuss ins Gesicht war kein Mord

17. Oktober 2003, 18:54
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Zweifache Mutter schoss in der Silvesternacht auf ihren Ehemann -zweieinhalb Jahre Haft - Staatsanwalt meldete Berufung an

Krems - Der Schuss der heute 45-jährigen Herta K. aus Gföhleramt auf ihren Ehemann nach einer durchzechten Silvesternacht am Neujahrsmorgen 2002 war kein Mord: Der Geschworenensenat am Landesgericht Krems entschied am Mittwochabend knapp vor Mitternacht fast einstimmig auf fahrlässige Tötung im Zustand völliger Berauschung.

Die zweifache Mutter wurde zu zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Sie nahm das Urteil an, Staatsanwalt Friedrich Kutschera meldete Berufung an. Damit ist der Wahrspruch noch nicht rechtskräftig.

Arzt holte dann plötzlich eine Waffe hervor

Nach einer Silvesterparty im Haus des Zahnarztes Peter K. war eine Freundin bis zum Morgen geblieben. Man diskutierte - und trank - bis 9 Uhr weiter. Man, das waren Peter K. und seine Frau Herta sowie eben die Freundin. Der Arzt holte dann plötzlich eine Waffe hervor.

Was genau sich bis zur Abgabe eines ersten Schusses in die Decke und eines zweiten ins Gesicht des Mannes zutrug, blieb auch in der jüngsten Verhandlung einigermaßen unklar.

Zwei bis drei Promille

Laut einem medizinischen Gutachten hatte Herta K. zum Tatzeitpunkt rückgerechnet zwei Promille Alkohol im Blut, wobei die Möglichkeit offen gelassen wurde, dass es unter anderem auf Grund des akuten Schlafmangels auch knapp drei Promille gewesen sein könnten.

Verteidiger Wolfgang Mekis, ehemals Staatsanwalt in Wien, verwies in seinem Schlussplädoyer darauf, dass ein alkoholosierter Fahrzeuglenker, der einen tödlichen Unfall verursacht, sich nicht wegen Mordes, sondern wegen fahrlässiger Tötung verantworten müsse. Er appellierte an die Geschworenen, den Kindern (15 und 17), die durch die Tragödie schon den Vater verloren hätten, nicht auch noch die Mutter zu nehmen.

Peter K. hatte - nicht zuletzt dank der Reanimation durch seine Frau, einer ausgebildeten Krankenschwester - zunächst überlebt, blieb aber ein Pflegefall.

Unglücksschützin

Die Unglücksschützin war wegen der schrecklichen Vorkommnisse bereits im Juni 2002 vor Gericht gestanden. Sie wurde damals wegen schwerer Körperverletzung mit Dauerfolgen zu fünf Jahren Haft verurteilt. Das Oberlandesgericht setzte die Strafe im Jänner 2003 um ein Jahr herab.

Gleichzeitig wurde aber eine Wiederaufnahme des Verfahrens eingeleitet, nachdem der Zahnarzt knapp sieben Monate nach dem Schuss im Wiener AKH an den Folgen seiner schweren Verletzungen verstarb. (APA, DER STANDARD Printausgabe 17.10.2003)

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