Der Grüne Werner Kogler - Nicht immer streng vertraulich

23. Oktober 2003, 18:30
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Der Grünen-Politiker Werner Kogler hat die Gabe, sich beim politischen Mitbewerber völlig unbeliebt zu machen: Er recherchiert, ist hartnäckig - man könnte sagen: Er ist lästig. Das Ziel seiner Angriffe ist meist der Finanzminister. Sei es bei den Abfangjägern oder dessen Homepage-Affäre.

Spätestens seit Wochenbeginn ist er zum Gottseibeiuns der Regierung aufgestiegen. Als Mitglied des Unvereinbarkeitsausschusses nannte er all jene Regierungsmitglieder, die Leermeldungen abgegeben haben - Erklärungen, keine Aktien oder sonstige Firmenanteile zu besitzen. Die Regierungsparteien bedankten sich ihrerseits mit Kritik an Koglers Bruch der Vertraulichkeit und forderten seinen Rücktritt.

Wer austeilt wie er, muss auch Nehmerqualitäten haben. Das weiß auch Kogler, hat er doch das politische Tagesgeschäft von der Pike auf gelernt. Schon während seines Volkswirtschaftsstudiums schloss er sich den Atomgegnern an. 1981 entsteht aus vielen Bürgerinitiativen die Alternative Liste Graz, ein Jahr später folgen die Listen für die Steiermark und Österreich. Kogler ist bei allen Gründungen an vorderster Stelle dabei. Zwischen 1985 und 1988 sitzt er für die Liste im Grazer Gemeinderat. der Höhepunkt seiner ersten grünen Karriere.

Die zweite begann erst 1994, nach kurzen "Gastspielen" bei verschiedenen Bürgerinitiativen. "In dieser Zeit habe ich fertig studiert. Damals wusste ich noch nicht, dass ich wieder zurück in die Parteipolitik gehen werde", erinnert sich der 41-Jährige. Als Mitarbei- ter im grünen Parlamentsklub schlägt für ihn 1999 die Stunde, als Andreas Wabl sich zurückzieht. Kogler wird Abgeordneter und wenig später Vorsitzender des Rechnungshofausschusses.

Von den Grünen erhofft sich Kogler, dass sie "ein bestimmenderer Faktor in Österreich werden". Schwarz-Grün auf Landesebene - auch jetzt in Oberösterreich, "wenn es den oberösterreichischen Grünen mit solider Mehrheit passt" - kann er sich längst vorstellen. Auf Bundesebene ist er skeptischer. Beim gescheiterten Erstversuch Anfang 2003 hatte er übers Budget verhandelt. Er sei vehement für die Gespräche gewesen, "doch irgendwann war der Ofen aus".

So gerne der Grüne über die Arbeit spricht, so verschlossen ist er beim Privaten. Kogler: "Da bin ich voll auf dem Trip der strikten Trennung." Er pendle immer im Dreieck Hartberg (seinem Heimatort), Graz (dem Wohnort der Freundin) und Wien (seinem Arbeitsplatz). Bei der Frage nach seinen Hobbys nennt Kogler die "Klassiker", wie er meint: also Fußball zum Beispiel. Heute passiv, früher als aktiver Spieler. Als Jugendlicher durfte er sogar ein Jahr bei Sturm Graz mittrainieren. Er ist heute noch Sturm-Fan, wenn auch "marginal". Ins Kabarett geht er auch gerne. Sein Lieblingskabarettist? "Mittlerweile FP-Chef Herbert Haupt". (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 17.10.2003)

Von Peter Mayr
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    Werner Kogler

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