AUA muss mehr Schulden machen

20. Oktober 2003, 10:24
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Neue Flugzeuge müssen finanziert werden - Sörensen zu Pilotenverhandlungen: "Möglich, dass wir uns in der Mitte treffen"

Wien - Die Austrian Airlines (AUA) muss in den nächsten Monaten mehr Schulden machen. Der Grund: Neue Flugzeuge im Wert von bis zu 250 Mio. US-Dollar (215 Mio. Euro) müssen mittels Kredit finanziert werden, weil es keine passenden Leasingangebote gibt, berichtet das "WirtschaftsBlatt" unter Berufung auf den AUA-Vorstand.

"Auf Grund der derzeitigen Überkapazitäten ist es schwierig, Flugzeug-Anschaffungen durch Operating Leasing zu finanzieren", sagte AUA-Vorstandschef Vagn Sörensen. Leasing-Gesellschaften sind laut Bericht derzeit nicht bereit, Assets zu finanzieren, die von Fluglinien betrieben werden. Kein Leasinggeber wolle das Risiko auf sich nehmen, nach Ablauf des Vertrages ein Flugzeug verkaufen zu müssen, so AUA-Finanzchef Thomas Kleibl. Demnach sei die AUA gezwungen, neue Maschinen nach den marktüblichen Zinssätzen zu finanzieren und in die Bücher zu stellen. Von dem ursprünglichen Ziel, möglichst viel in Form von Operating Leasing zu finanzieren, müsse die AUA daher wahrscheinlich abrücken.

250 Millionen im schlimmsten Fall

Betroffen von der neuen Finanzierung sind dem Bericht zufolge sieben neue Airbus A319 (Preis je rund 35 Mio. US-Dollar). Im schlimmsten Fall würden die Schulden dadurch um rund 250 Mio. Dollar steigen, so die Zeitung. Der erste A319, für den die AUA neue Kredite aufnehmen müsse, werde im kommenden Februar geliefert. Auf die Bilanzstruktur habe das nachteilige Auswirkungen: Das Gearing (Nettoverschuldungsgrad) werde "kurzfristig steigen", so Kleibl. Zum Ende des ersten Halbjahres 2003 lag das Gearing nach AUA-Berechnung bei 268 Prozent.

Die geplanten Einsparungen bei den Pilotengehältern seien nur ein Teil eines umfassenden Sanierungsplanes, betonte Sörensen: "Als Aktionär wäre ich nur dann besorgt, wenn der Vorstand sagt: Okay das geht jetzt nicht mehr." Doch das sei nicht der Fall. "Es ist sicherlich möglich, dass wir uns mit dem Betriebsrat in der Mitte treffen".

Direktflüge von Bratislava aus

Die AUA will schon ab nächstem Jahr vom slowakischen Flughafen Bratislava mit Direktflügen zu westeuropäischen Zielen starten. "Ich könnte mir vorstellen, dass wir im Laufe des Jahres 2004 zwei Maschinen fix in Bratislava stationieren", so Sörensen. Denkbar sei die Verbindung Bratislava-Paris, wo unter anderem ein neues Peugeot-Werk entsteht. Der klassische Einsatzbereich für Bratislava sei aber der Charterverkehr. (APA)

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