Fremdwährungskredite: FMA verordnet Mindeststandards

17. Oktober 2003, 09:19
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Auch endfällige Kredite mit Tilgungsträger betroffen - Verbraucherschutzbestimmungen sollen im Bankwesengesetz verankert werden

Wien - Die Finanzmarktaufsicht (FMA) verordnete den österreichischen Banken Mindeststandards für die Vergabe und Gestionierung von Fremdwährungskredite und endfälligen Krediten mit Tilgungsträgern. Weiters tritt die FMA dafür ein, entsprechende Verbraucherschutzbestimmungen im Bankwesengesetz (BWG) zu verankern. "Es geht nicht darum, die Fremdwährungskredite zu verbieten, sondern das Risikobewusstsein zu erhöhen", sagte FMA-Vorstand Kurt Pribil bei einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem Direktor der Oesterreichischen Nationalbank, Josef Christl, am Donnerstag in Wien.

Bei einer Überprüfung von 97 Kreditinstituten, die in den beiden Geschäftsfeldern stark exponiert sind, habe sich gezeigt, "dass einigen Banken, vor allem kleineren Instituten, das entsprechende Risikomanagement fehlt", so Pribil.

Klare Leitlinien und schriftliche Regeln

Mit den beiden FMA-Mindeststandards verlangen die Bankenaufseher von den Kreditinstituten, sich selbst klare Leitlinien und schriftliche Regeln für die Vergabe und Gestionierung von Fremdwährungskrediten und endfälligen Krediten mit Tilgungsträgern zu geben. Einzel- sowie Gesamtvolumen müssen entsprechend der Risikotragfähigkeit der Bank begrenzt werden. Ein fixes Limit wird dabei aber nicht vorgegeben.

Weiters wird eine risikoadäquate Preisbildung - entsprechend der Bonität des Kunden, der Risikoeinschätzung und Sicherheiten - verlangt. Bei der Vergabe sind Sicherheitsreserven für Wechselkurs-, Zinsänderungs- und Marktrisiken zu berücksichtigen. Des weiteren wird die laufende Überwachung des Kredites und der Märkte gefordert und zumindest ein Mal jährlich ist ein Stress-Test auf das Fremdwährungsportfolio vorgesehen. Bei Krediten mit Tilgungsträgern muss im Vorhinein festgelegt werden, was geschieht, wenn der Tilgungsträger nicht ausreicht. Als dritte Maßnahme spricht sich die FMA dafür aus, Verbraucherschutzbestimmungen - vor allem im Zusammenhang mit Privatkrediten - ins BWG aufzunehmen und hat dem Finanzministerium schon Vorschläge unterbreitet.

FMA-Mindeststandards

Die heute bekannt gegebenen FMA-Mindeststandards sollen grundsätzlich ab 1. April 2004 in Kraft treten. Einige Punkte werden aber bereits für Neuabschlüsse ab 1. Jänner 2004 gelten, so Pribil. Die FMA-Mindeststandards seien zwar rechtlich nicht einer Verordnung gleichzustellen, ihre Umsetzung soll aber in den nächsten Jahren einen Schwerpunkt bei der Vor-Ort-Überprüfung der Banken spielen. Sollten sie nicht eingehalten werden, werde die FMA mit dem ihr zur Verfügung stehenden Instrumentarium - etwa Bescheiden - darauf reagieren, so Pribil.(APA)

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