Wespen-Männchen mit Sexuallockstoff getäuscht

21. Oktober 2003, 19:23
1 Posting

Australische Orchideenart lockt eine einzige Wespenart an

Washington/Hamburg - Eine australische Orchideenart verführt Wespen-Männchen mit einem Sexlockstoff, um sie für ihre Bestäubung auszubeuten. Die Wespen versuchen, sich mit den Blüten zu paaren und tragen dabei Pollen von einer Orchidee zur anderen, wie deutsche und australische Forscher im US-Fachjournal "Science" (Bd. 302, S. 437) berichten. Während sich die Orchidee (Chiloglottis trapeziformis) fortpflanzen könne und direkten Nutzen davon habe, gehe die Wespe erst einmal leer aus.

"Orchideen produzieren keinen Nektar und die Wespe erhält keine Belohnung. Nachdem, was man zurzeit weiß, betreiben die Orchideen absoluten Sexbetrug", sagte Prof. Wittko Francke von Institut für Organische Chemie der Universität Hamburg am Donnerstag, der an der Studie beteiligt war.

Die Besonderheit dabei

Auch andere Orchideenarten produzieren Sexuallockstoffe, so genannte Pheromone. Dabei stellen sie Düfte her, die auch weibliche Wespen produzieren. Das Besondere bei Chiloglottis trapeziformis sei jedoch, dass der Lockstoff aus nur einer einzigen Substanz bestehe und nur diese eine Wespe (Neozeleboria cryptoides) anlocke. "Das ist extrem ungewöhnlich. Sollte einer der beiden Partner bedroht sein, zittert das ganze System", erklärte Francke. Die Orchidee müsse dann nach anderen Wegen suchen, sich bestäuben zu lassen.

Auswirkungen auf Wespen noch untersucht

Welche Auswirkungen die Täuschung der Wespen-Männchen auf die Paarung und Fortpflanzung der Insekten hat, wird noch untersucht. Über erste Ergebnisse hatte der auch an der aktuellen Veröffentlichung beteiligte Evolutionsbiologe Florian Schiestl von der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich in den "Proceedings (B)" der Londoner Royal Society (Bd. 269, S. 1529) berichtet. "Weibchen könnten in Regionen, wo viele Orchideen stehen, leer ausgehen", sagte sein Hamburger Kollege Francke. "Aber vielleicht sind sie auch gar nicht interessiert an Männchen, die einfach alles anfliegen, was nach Weibchen riecht, und dann nicht mehr stark genug sind, sich richtig zu paaren." (APA/dpa)

Share if you care.