Mannesmann erwägt Börsengang der Internet-Aktivitäten

14. Jänner 2000, 21:31

Düsseldorfer Konzern lehnt Vodafone-Angebot erneut ab - Aktie soll in 18 Monaten bei 350 Euro stehen

Düsseldorf - In der größten Übernahmeschlacht der Wirtschaftsgeschichte zwischen Vodafone AirTouch und Mannesmann erwägt der Düsseldorfer Konzern jetzt, seine Internet-Aktivitäten an die Börse zu bringen. Ziel sei es den Wert der Zukunftssparte "noch deutlicher zu machen", betonte Konzernchef Klaus Esser am Freitag in Düsseldorf. Mannesmann ist nach eigenen Angaben mit 2,6 Millionen Internet-Kunden der drittgrößte europäische Service-Provider nach T-Online und AOL.

Esser lehnte am Freitag in der lange erwarteten offiziellen Stellungnahme des Konzernvorstandes zum feindlichen Übernahmeangebot die Offerte von Vodafone erneut entschieden ab. Mannesmann habe allein erheblich größere Wachstumschancen, als im Verbund mit dem weltgrößten Mobilfunkanbieter, sagte Esser. Die Stellungnahme des Vorstandes trug den Titel: "Mannesmann bietet mehr Wert heute, mehr Wert morgen und weniger Risiko. Nein zum Vodafone Angebot."

Esser versprach, der Wert der Mannesmann-Aktie werde im Sommer 2001 bei mindestens 350 Euro (4.816 S) liegen. Andernfalls werde der gesamte Vorstand ein Viertel seiner Bezüge für die Jahre 2000 und 2001 einbüßen. Falls das Kursziel auch Ende 2001 noch nicht erreicht sei, würden die Entgelte sogar um die Hälfte gekürzt. Am Freitag mittag wurde die Mannesmann-Aktie für knapp 250 Euro gehandelt.

Das Vodafone-Angebot sei viel zu niedrig und berge außerdem erhebliche Risiken für die Mannesmann-Aktionäre, wiederholte Esser frühere Äußerungen. Er appellierte an die Aktionäre, sie sollten nicht "die Kontrolle über die Nummer 1 unter den neuen Anbietern in Europa" aufgeben. Mannesmann habe für seine Aktionäre außerordentliche Wertsteigerungen erzielt und sei "weit mehr Wert als das Vodafone-Angebot".

Vodafone-Chef Christ Gent warf dem Düsseldorfer Konzern dagegen in einer ersten Stellungnahme erneut vor, nicht auf die wirklich entscheidende Frage für die Mannesmann-Aktionäre einzugehen: "Was kann Mannesmann allein unternehmen, was es nicht gemeinsam mit Vodafone AirTouch besser erreichen könnte." In einem offenen Brief appellierte Gent an die Mannesmann-Aktionäre: "Lassen Sie sich nicht verunsichern." Das Zusammengehen der Konzerne biete eine einmalige Chance, die Zukunft der mobilen Multimediagesellschaft entscheidend mitzugestalten.(APA/AP)

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