998.000 Euro für Bürger-TV

23. Oktober 2003, 20:31
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Wien verspricht, offenen Kanal drei Jahre zu finanzieren

Das kommerzielle Wiener Stadtfernsehen puls sucht noch Investoren. Ein nicht kommerzielles Bürgerfernsehen, das Ende 2004 starten soll, hat seinen schon gefunden: Bürgermeister Michael Häupl und die zuständige Stadträtin Grete Laska haben 998.000 Euro für jedes der nächsten drei Jahre zugesagt. Dieser offene Kanal ist eines jener 23 Projekte, die sich Rot und Grün nach der Landtagswahl vorgenommen haben.

Was hat man sich darunter vorzustellen? Highlights aus dem Pendant in Berlin:

  • "Mundo Latino", wöchentliche Nachrichten aus Lateinamerika, vieles von dortigen Sendern einfach kopiert;
  • teils etwas obskure Podiumsdiskussionen, zuletzt vor allem gegen den Irakkrieg;
  • Botschaften auf Arabisch - umstritten, weil Inhalte für deutsche Ohren nicht verständlich und ihnen suspekt;
  • ein rund 80-Jähriger, der sein selbst gebasteltes Trimm-dich-Gerät, eine Art Gummiband, vorführt und ständig wiederholt wird;
  • Interviews mit Botschaftern oder deren Pressesprechern, wie Georg Schnetzer von der österreichischen Botschaft;
  • Homevideobeiträge von Urlauben.

Nächste Schritte zum Bürgerfernsehen in Wien: ein Herausgeberverein und eine Betreibergesellschaft.

Wiener-Grünen-Chef Christoph Chorherr hofft, "renommierte Persönlichkeiten" aus Kunst, Medien, Wissenschaft und anderen Bereichen bilden den Verein. Der ist Eigentümer der Betreiber-GmbH und bestellt zwei Geschäftsführer für Programm und Finanzen/ Recht. Dazu ein Beirat aus "Nutzergruppen", der etwa in Programmfragen berät.

Chorherr sowie die SP-Landtagsabgeordneten Barbara Novak und Jürgen Wutzlhofer unterstrichen, dass mit dieser Konstruktion die Unabhängigkeit des Projekts von der Politik gewahrt werde.

Was fehlt? Ein Programmplatz im Kabel. UPC Telekabel muss in Wien bereits ATV+, puls und den Musiksender go-tv transportieren.

Eine pragmatische Lösung wird daher in den obersten Etagen des Rathauses favorisiert: Der offene Kanal könnte doch zumindest anfangs die Frequenz und den Kabelplatz von puls mitbenützen. Der Stadtsender sieht seine Kernsendezeit wie berichtet ohnehin zwischen 15 und 23 Uhr.

Auch Finanzierungssorgen von puls, dem gerade wieder ein Gesellschafter abhanden kommt, könnte dieses Konzept durchaus mildern: Im Rathaus kann man sich durchaus vorstellen, puls Sendezeit für den offenen Kanal abzukaufen. (fid, afs, APA/DER STANDARD, Printausgabe, 17.10.2003)

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