Vom Web zu WAP: Internet per Handy wird marktreif

17. Jänner 2000, 09:32

WAP, das "Wireless Application Protokoll", das es erlauben soll, per Handy Informationen aus aller Welt abzurufen ist keine Zukunftsmusik mehr.

Wien - WAP, das "Wireless Application Protokoll", das es erlauben soll, per Handy Informationen aus aller Welt abzurufen, ist keine Zukunftsmusik mehr: Die ersten Mobiltelefone, die diesen Service bieten, sind bereits am Markt, die Mobilkom bietet, wie berichtet, schon Inhalte an - unter anderem gibt es auch den STANDARD schon in WAP-Form -, und bei max.mobil sind bereits alle Vorkehrungen getroffen, um in den nächsten Wochen ebenfalls auf diesen noch sehr, sehr langsam anrollenden Zug aufzuspringen.

Noch sind nicht genügend Handys auf dem Markt

Der Grund für das momentan noch etwas zögerliche Engagement: Noch sind nicht genügend Handys auf dem Markt, die WAP-Inhalte verstehen und darstellen können, und die Alternativlösung, auf beispielsweise einen Psion oder einen Windows CE-Handheld einen WAP-Browser zu installieren und dann per Infrarot mit einem Handy zu verbinden, ist insofern nicht besonders aufregend, als man auf einer solchen Geräte-Konstellation ja auch auf das "richtige" Internet zugreifen kann und nicht auf das im Gegensatz dazu ziemlich abgespeckte WAP zugreifen muss.

Plattformunabhängig

Das vorrangige Ziel von WAP, so schildert Markus Wagner, Projekt-Manager bei max.mobil für Neue Medien, ist die Darstellung der Inhalte auf den unterschiedlichsten Plattformen, unabhängig von Hersteller und Funknorm. Eine WAP-Seite muss auf einem europäischen GSM-Handy genauso zu sehen sein wie auf einem D-AMPS-Telefon. Die Endgeräte haben gegenüber den klassischen Internet-"Surfbrettern" weniger Rechenleistung, weniger Speicher, kleinere Displays, das Funknetz weist eine geringere Bandbreite auf, eine geringere Stabilität, und größere Verzögerungen - all diese Hürden müssen bei WAP so elegant umschifft werden, dass der Anwender dennoch ein Medium in der Hand hält, das so einfach und narrensicher zu bedienen ist wie das Handy an sich.

Für den Anbieter der Inhalte ist WAP keine Zauberei: Die Dateien, kleine Programme, die in der HTML-ähnlichen Sprache WML (Wireless Markup Language) geschrieben sind, können auf einem beliebigen Web-Server angelegt werden, lediglich der so genannte MIME-Typ muss in den Grundeinstellungen angepasst werden. Ansonsten laufen alle Daten und Zugriffe über das ganz normale Internet. Wer also bereits einen www-Server betreibt, kann dazu relativ leicht auch WAP-Inhalte anbieten.

WML-Script

Auch zu Java-Script gibt es ein mobiles Pendant: WML-Script erlaubt es, kleine Programme zu schreiben, die dann im Speicher des Handys ausgeführt werden.

Für die Umwandlung der im Internet üblichen Protokolle zur Datenübertragung auf die WAP-Standards dienen so genannte Proxy-Server oder Gateways; diese Rechner stehen bei den Mobilfunk-Anbietern und bilden die Schnittstelle zwischen dem Handynetz, den WAP-Inhalten, die der Provider selbst anbietet - zum Beispiel Wetterberichte, Kinoprogramm, Lokalführer, Sportergebnisse, etc. und dem weltumspannenden Netz der Netze. Gerade diese Proxys sind es aber, die die Mobilfunk-Anbieter noch vor Probleme stellen: Laufende Updates sorgen immer wieder für neue Inkompatibilitäten, die erst aus dem Weg geschafft werden müssen, bevor WAP wirklich ein Massenpublikum erobern kann. (Uwe Fischer-Wickenburg)

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