Doku "Null Acht Vierzig" knüpft an Interviews im Jahr 1970 an

23. Oktober 2003, 20:29
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Drei Jahrzehnte Zeitgeschichte in 100 Minuten - Hopfmüller: Neue Möglichkeiten, Zeitgeschichte aufzuarbeiten

Acht Menschen um die 40 räsonieren über ihr Leben, ihre Träume und ihre zukünftigen Perspektiven: Wohl kein Stoff für eine Fernseh-Dokumentation, der ORF-Programmplaner in Euphorie versetzen würde. Doch in der Doku "Null Acht Vierzig", die kommende Woche im ORF zu sehen ist, erhält das Thema eine zusätzliche Dimension. Bereits als Achtjährige gaben die Interviewten im Jahr 1970 dem Filmemacher Helmut Voitl bereitwillig Auskunft über ihre Ansichten, 1973 und 1987 folgten weitere Drehs. Mit "Null Acht Vierzig", am Mittwochabend in Wien präsentiert, dokumentieren Voitl und seine Partnerin Elisabeth Guggenberger somit auch drei Jahrzehnte Zeitgeschichte.

100-Minuten-Doku

"Aus den Kindern sind sympathische Erwachsene geworden - wer hätte das gedacht", meinte launig ORF-Planungschef Wolfgang Lorenz bei der Präsentation. Und erwähnte lobend, dass Gisela Hopfmüller, Hauptabteilungsleiterin für Bildung und Zeitgeschehen, für diese mit 100 Minuten ungewöhnlich lange Doku sicher nur mit Mühe einen Sendeplatz auftreiben konnte. In nur drei Monaten sei der Film - von der Finanzierungszusage bis zum Endschnitt - entstanden, berichtete Guggenberger.

Begegnung mit Realität

Beim Drehen sei man von den Interviewten stets mit einbezogen gewesen, so Voitl. "Aus diesem Gefühl heraus dokumentiert man auch. Das ist eine Begegnung mit Realität, mit Menschen." Beim Dokumentieren der Realität verzichteten Guggenberger und Voitl freilich nicht auf Inszenierungen, wobei sie auch auf umfangreiches zeitgeschichtliches Archivmaterial zurückgriffen, dass nur mittelbar mit den Lebenswelten der Interviewten zu tun hat.

"So sehen sie uns mit acht"

Deren Aussagen waren 2003 deutlich introspektiver als in den Jahrzehnten davor. "So sehen sie uns mit acht", war der Titel der ersten Doku im Jahr 1970, die damals großes Medienecho hervorrief. "So sehen sie sich mit 40" könnte nun der Untertitel zu "Null Acht Vierzig" lauten. Berührende Momente finden sich da zumeist doch in jenen Ausschnitten, in denen die Seppi, Andrea, Harald und andere ihre Weltsicht erläutert.

"Die Kinder von Golzow"

Hopfmüller betonte, dass Projekte wie "Null Acht Vierzig" auch neue Möglichkeiten der "zeitgeschichtlichen Aufarbeitung" aufzeigen könnten. Ein berühmtes "Vorbild" für einen solchen Ansatz gibt es aus der DDR: "Die Kinder von Golzow" wurden von Regisseur Winfried Junge ab 1961, dem Jahr des Mauerbaus, für die gleichnamige Doku-Reihe der DEFA porträtiert. Junge verfolgte dieses Projekt, das wohl als sein Lebenswerk bezeichnet werden kann, beharrlich auch nach der Wende und dem Ende der DEFA. 2002 erschien mit "Eigentlich wollte ich Förster werden - Bernd aus Golzow" die vorerst letzte Folge. (APA)

"Null Acht Vierzig" von Helmut Voitl und Elisabeth Guggenberger, zu sehen am Dienstag, 21. Oktober um 22.30 Uhr in ORF 2
  • Andreas Zorn (8).
    foto: orf/milenko badzic

    Andreas Zorn (8).

  • Andrea Mühlgassner und Helmut Voitl.
    foto: orf/milenko badzic

    Andrea Mühlgassner und Helmut Voitl.

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