Heimisches Wasser besser als britisches

19. Oktober 2003, 19:52
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Studie: Die Wasserversorgung in Österreich kostet soviel wie in Großbritannien, die Qualität ist aber deutlich besser

Brüssel - Für die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung zahlt man in Österreich mit durchschnittlich 145 Euro pro Jahr etwa gleich viel wie in Frankreich und England, wo diese Dienste bereits stark liberalisiert sind. Die Qualität der Versorgung ist in Österreich aber wesentlich besser, zeigt eine Studie von Technischer Universität Wien und dem deutschen Institut Ecologic im Auftrag von Arbeiterkammer und Städtebund, die am Mittwoch Abend in Brüssel vorgestellt wurde.

Während in Österreich nur neun Prozent des Trinkwassers verloren gehen, sind es in England 20 und in Frankreich fast 30 Prozent. Das ist nicht nur eine Frage des sparsamen Umgangs mit einer Ressource, sondern auch ein Hygienevorteil, denn bei jedem Leck können Verunreinigungen entstehen. Auch beim Abwasser spielt Österreich in einer anderen Kategorie: 80 Prozent des Abwassers wird einer dritten Reinigungsstufe unterzogen, in Frankreich sind es 40 Prozent, in England nur 10 Prozent, verglich Wolfgang Lauber von der umweltpolitischen Abteilung der Arbeiterkammer.

Daten schwer zu vergleichen

Wirtschaftliche Daten über Wasserver- und entsorgung sind schwer zu vergleichen und mit Vorsicht zu betrachten, warnte Wenke Hanson vom Institut Ecologic, eine der für die Studie verantwortlichen. Letztlich hänge es vom verwendeten Vergleichswert ab, ob das nicht liberalisierte österreichische System oder die liberalisierten Systeme in Frankreich und England besser abschneiden: Pro angeschlossenem Einwohner sind die Produktionskosten in Österreich spürbar höher, vor allem weil in Österreich viel mehr investiert wird. Pro Kubikmeter kostet die Dienstleistung hingegen in Österreich gleich viel wie in England und wesentlich weniger als in Frankreich. Denn in Österreich wird pro Einwohner wesentlich mehr Wasser entsorgt.

Liberalisierung von Wasser sei rein wirtschaftlich ganz anders zu bewerten als die Liberalisierung von Strom und Gas, hob auch Hans Sailer, Präsident des Verbandes der Gas- und Wasserwirtschaft und Direktor der Wiener Wasserwerke hervor. Denn nur fünf bis zehn Prozent der Kosten entfielen auf das Wasser selber, 90 bis 95 Prozent hingegen auf die Leitungen und die Organisation des Transportes. Daher seien auch die Einsparungspotenziale sehr gering, wenn man verschiedenen Anbietern die Nutzung eines Leitungssystems ermögliche. Wenn ein Privater etwa das Wasser etwa um zehn Prozent billiger anbieten sollte, würde sich ein durchschnittlicher Haushalt nur zwei Euro pro Jahr ersparen.(APA)

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    Liberalisierung von Wasser ist rein wirtschaftlich ganz anders zu bewerten als die Liberalisierung von Strom und Gas

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