Schleichendes Nierenversagen

20. Oktober 2003, 12:13
posten

Bei vielen steht Bluthochdruck dahinter

Innsbruck - Rund 300.000 Österreicher leiden an schleichendem Nierenversagen. Etwa 6.000 Menschen müssen deshalb per Dialyse (Blutwäsche) versorgt werden oder haben eine Spenderniere implantiert erhalten. Bei einem Drittel der Patienten steckt Bluthochdruck (Hypertonie) hinter den Problemen. In Innsbruck tagen am Wochenende (17. und 18. Oktober) die österreichischen Nieren- und Hypertonie-Experten. Dabei werden zum Teil erschreckende Daten präsentiert.

Weder Blutdruck noch Nierenprobleme tun "weh". Das bedeutet, dass beide Krankheiten zumeist erst wahrgenommen werden, wenn Folgeprobleme auftreten. Die Wiener Sozialmedizinerin Univ.-Prof. Dr. Anita Rieder zeigte mit Co-Autoren im Rahmen des Villacher Projekts "Blutdruck im Griff?" auf, wie hoch die Dunkelziffer bei der Hypertonie ist. Fliegende Teams haben dort mehr als 3.500 Bürger getestet.

Falsch eingeschätzter Blutdruck

Die Wissenschafter in der Zusammenfassung ihrer Arbeit. "Von den ca. 3.500 bisher gemessenen waren bei der Erstmessung ca. 50 Prozent hyperton (Bluthochdruck, Anm.), wobei zwei Drittel ihren Blutdruck falsch einschätzten. 64 Prozent aller bekannten Hypertoniker sind unbehandelt."

Zu ähnlichen Ergebnissen kamen Sozialmediziner bei Messungen unter Arbeitern und Arbeiterinnen in Wien: 29 Prozent von 546 Probanden wiesen einen eindeutig erhöhten Blutdruck (mehr als 140/90 mmHg, systolischer/diastolischer "oberer/unterer" Wert). auf. 35,4 Prozent der Personen mit bekanntem Bluthochdruck wiesen trotz entsprechender Behandlung zu hohe Werte auf.

Empfehlungen

Die empfohlenen Blutdruck-Pegel: Die Europäische Gesellschaft für Kardiologie empfiehlt, dass niemand mehr als 140/90 mmHg aufweisen sollte. Manche Personen (z.B. Diabetiker) sollten höchstens einen Wert von 130/80 mmHg anpeilen. Das Risiko, an einem Blutdruck-bedingten Nierenschaden zu erkranken, sinkt linear mit dem Blutdruck bis zu einem Wert von 115/75 mmHg ab.

In Österreich gab es mit Stichtag 31. Dezember 2001 exakt 6.049 Personen mit endgültigem Nierenversagen. 51 Prozent davon waren auf Dialyse angewiesen. 49 Prozent hatten Nieren transplantiert bekommen. Im Jahr 1992 waren es insgesamt 3.809 solcher Patienten gewesen (57 Prozent auf Dialyse angewiesen, 43 Prozent per Transplantation versorgt). (APA)

Share if you care.