Chirac vertritt Deutschland

16. Oktober 2003, 15:23
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Deutscher Kanzler und Außenminister reisen bereits am Freitag ab - Lob aus Luxemburg

Berlin/Paris - Deutsch-französisches Vertrauen, ganz eng: Am Freitag wird Staatspräsident Jacques Chirac Bundeskanzler Gerhard Schröder beim EU-Gipfel vertreten und die Beiträge Deutschlands in die Debatte einbringen. Schröder selbst kann am zweiten Gipfeltag nicht in Brüssel bleiben, da seine Koalition im Bundestag bei der Abstimmung über neue Reformschritte jede Stimme braucht. Auch Außenminister Joschka Fischer reist daher ab.

Dass ein Staatschef den anderen im Europäischen Rat vertritt, ist äußerst ungewöhnlich, aber rechtlich möglich. Da am zweiten Gipfeltag in Brüssel aber nicht die politisch brisante Regierungskonferenz über die künftige EU-Verfassung auf der Tagesordnung steht, sondern nur Routinethemen, dürfte Schröder nichts Entscheidendes versäumen. Fischer bekräftigte in Brüssel, diese Vereinbarung zeige, wie eng die Abstimmungen zwischen Paris und Berlin seien. Er räumte ein, dass die Vertretung ungewöhnlich sei. Sie dürfe aber auch nicht überbewertet werden.

"Im Interesse aller"

Mehrere Regierungschef begrüßten es ausdrücklich, dass sich die deutsche Delegation von Frankreich vertreten lassen wird. "Wenn Deutschland und Frankreich so eng zusammenarbeiten, ist das im Interesse aller", sagte der Ministerpräsident Luxemburgs, Jean-Claude Juncker. Während Kommissionspräsident Romano Prodi die Vertretung ebenfalls als beispielhaft lobte, übte die CDU im Europaparlament Kritik. Ihr Fraktionschef Hans-Gert Pöttering warf Schröder vor, deutsche Interessen zu vernachlässigen. (APA/jwo/DER STANDARD, Printausgabe, 16. Oktober 2003)

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