IBM sieht trotz Umsatz- und Gewinnplus noch keine Erholung

27. Oktober 2003, 10:17
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Bessere Ergebnisse im Drittquartal dank schwachem Dollar und Zukäufen - IBM: IT-Ausgaben gut, aber nicht robust

Der weltgrößte Computerkonzern International Business Machines (IBM) hat Umsatz und Gewinn im dritten Quartal dank Zukäufen im Software- und Dienstleistungsgeschäfts sowie des schwachen Dollar gesteigert. Eine durchgreifende Erholung der unter Preisdruck und Investitionszurückhaltung leidenden Branche sieht der Konzern jedoch noch nicht.

Zuversichtlich

"Auch wenn es noch zu früh ist zu sagen, dass eine Erholung unmittelbar bevorsteht, sind wir zuversichtlich, dass wir sowohl von einem Anstieg der Informationstechnik-Ausgaben als auch einer Konjunkturerholung profitieren werden", sagte IBM-Chef Sam Palmisano bei der Veröffentlichung der Geschäftszahlen für das dritte Quartal am Mittwoch nach US-Börsenschluss. Der Aktienkurs gab im nachbörslichen US-Handel und auf den europäischen Handelsplätzen deutlich nach.

Verhalten

Mit seinem verhaltenen Ausblick setzte sich der Produzent von Computerchips, Großrechnern und Software nach Angaben von Analysten von den Tech-Werten Intel und Motorola ab, deren Geschäftsverlauf vor wenigen Tagen für Optimismus über einen bevorstehenden Aufschwung in der Branche gesorgt hatte. "Wir sehen positive Anzeichen, aber diese haben keinen weitreichenden Einfluss auf Branchenriesen wie IBM", sagte Analyst John Jones von Soundview Technology.

IBM-Aktien fielen nachbörslich auf 90,50 Dollar von einem Schlusskurs von 92,74 Dollar an der New Yorker Börse. Seit Jahresbeginn ist der Kurs um rund 20 Prozent geklettert. Auf den japanischen Märkten kam es Händlern zufolge zu Gewinnmitnahmen bei Tech-Aktien. In Europa wurden die IBM-Aktien am Donnerstag mit einem Abschlag von rund vier Prozent gehandelt.

Erwartungen

Als Quartalsgewinn nannte der in Konzern 1,8 Mrd. Dollar (1,54 Mrd. Euro) oder 1,02 Dollar je Aktie nach 1,3 Mrd. Dollar oder 0,76 Dollar pro Anteilschein vor einem Jahr. Damit traf der auch als "Big Blue" bezeichnete Weltmarktführer für Hardware und Computer-Dienstleistungen exakt die Erwartungen der von Reuters Research befragten Analysten.

Der Umsatz von IBM legte im dritten Quartal auf 21,5 Mrd. Dollar von 19,8 Mrd. Dollar vor einem Jahr zu. Analysten hatten indes Erlöse von 21,85 Mrd. Dollar erwartet. Positiv wirkte sich auf den Konzernumsatz der seit Monaten unter Druck stehende Dollar-Kurs aus, da sich dadurch IBM-Produkte auf dem Weltmarkt verbilligen.

Ausrichtung auf Dienstleistungen

IBM profitierte angesichts der fortgesetzten Nachfrageschwäche nach Computer-Hardware von der verstärkten Ausrichtung auf Dienstleistungen. Mittlerweile entfällt knapp die Hälfte des Konzernumsatzes auf die Service-Sparte, die deutliche Erlöszuwächse verbuchte. IBM hatte vor rund einem Jahr die Beratungssparte von der Wirtschaftsberatung PriceWaterhouseCooper übernommen. Dagegen verzeichnete die Sparte Hardware im jüngsten Vierteljahr Umsatzeinbußen, das Segment Mikroelektronik fährt weiterhin leichte Verluste ein.

In den ersten neun Monaten steigerte IBM den Umsatz um 9,9 Prozent auf 63,2 Mrd. Dollar. Der Neunmonatsgewinn erreichte 4,9 (2,6) Mrd. Dollar oder 2,77 (1,47) Dollar je Aktie.

"Gut, aber nicht robust"

Für das laufende vierte Quartal schloss sich IBM den bisherigen Prognosen der Analysten an. IBM-Finanzchef John Joyce sagte, die Analystenschätzungen seien vernünftig. Die weltweiten Ausgaben für Informationstechnologie seien derzeit "gut, aber nicht robust". Im kommenden Jahr würden die Kunden ihre Ausgaben voraussichtlich erhöhen. Analysten erwarten für das Schlussquartal einen Umsatz von 25 Mrd. Dollar und einen Gewinn je Aktie von 1,51 Dollar.

IBM sieht nach Darstellung Palmisanos den Bedarf für 10.000 neue Positionen in wichtigen Bereichen wie Service, Linux sowie Software und Hardware mit offenen Standards. IBM wolle 200 Millionen Dollar bis 700 Millionen Dollar bereitstellen, um vorhandene Mitarbeiter auszubilden. (APA/Reuters/dpa)

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