10 Tote bei Fährenunglück vor New York

16. Oktober 2003, 10:32
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Schiff rammte Landungssteg - Seitlich aufgeschlitzt - Einer der beiden Kapitäne bei angeblich versuchtem Selbstmord verletzt

New York - Bei dem Fährunglück vor New York sind nach Angaben des New Yorker Bürgermeister Michael Bloomberg mindestens zehn Menschen getötet worden. Möglicherweise gebe es an Bord des Schiffes noch weitere Leichen, sagte der Bürgermeister vor der Presse. Mindestens 34 Menschen wurden in Spitäler eingeliefert, drei davon befinden sich noch in kritischem Zustand - darunter auch der Kapitäns-Assistent, der angeblich einen Selbstmordversuch unternahm. Manche waren nach dem Aufprall in Panik ins kalte Hafenbecken der New Yorker Bucht gesprungen.

Rechte Seite des Schiffs aufgerissen

Laut Augenzeugen habe sich die von Manhattan kommende Fähre mit einer ungewöhnlich hohen Geschwindigkeit dem Dock in Staten Island genähert. Die Holzbefestigung an dem Kai riss die rechte Seite des mit Berufspendlern und Touristen besetzten Schiffs wie ein "Büchsenöffner" auf, sagte ein Passagier im lokalen Fernsehen.

"Jeder sprang um sein Leben"

Die Fähre sei nach ihrer 25-minütigen Fahrt von Manhattan nach Staten Island beim Anlegen nicht wie üblich gebremst, so ein Passagier. "Jeder sprang um sein Leben", berichtete er weiter. "Wenn ich auf der rechten Seite des Bootes gesessen wäre, wäre ich jetzt tot. Man konnte einige Menschen sehen, die es nicht schafften."

Selbstmordversuch

Einer der beiden Kapitäne der New Yorker Unglücksfähre hat sich bei einem Selbstmordversuch Verletzungen zugefügt, berichtetet der Fernsehsender New York One am Mittwochabend. Der Mann habe sich nach dem Unglück mit einem Luftgewehr in den Kopf geschossen. Der Schiffsführer habe die Fähre fluchtartig verlassen. Er sei zu Hause mit einer Schusswunde aufgefunden und dann in ein Krankenhaus gebracht worden.

Bloomberg kommentierte dies nicht - der Mann lebe und würde befragt werden. Alle 16 Crewmitglieder würden auf Drogen und Alkohol getestet werden, kündigte er an. Es gebe keine Anzeichen dafür, dass es sich um etwas anderes als einen tragischen Unfall handle, sagte Bloomberg.

An Bord der 93 Meter langen Fähre befanden sich etwa 1.500 Passagiere. Die Fähre kann bis zu 6000 Passagiere aufnehmen. Die kostenlose Verkehrsverbindung wird täglich von 70.000 New Yorkern benutzt, um von ihrer Wohnung auf Staten Island in die Innenviertel zur Arbeit zu fahren. Auch zahlreiche Touristen reisen mit der Fähre, um von dort aus den berühmten Blick auf die Freiheitsstatue einzufangen. Der Fährverkehr wurde vorerst eingestellt.(APA/Reuters)

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    Feuerwehrmänner an Bord der Staten Island Ferry, das mit zu hoher Geschwindigkeit auf die Hafenanlage auflief. Mindestens zehn Menschen starben, viele wurden verletzt.

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