Aufruf zu moslemischer Einheit

17. Oktober 2003, 08:30
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Internationale Islamische Konferenz eröffnet - Malaysischer Gastgeber Mahathir attackiert Juden - Putin sieht Islam nicht als Ursache des Terrorismus

Putrajaya - Mit einem Appell an die Muslime in aller Welt zur Einigkeit hat der malaysische Ministerpräsident Mahathir Mohamad am Donnerstag das Gipfeltreffen der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) (vormals ICO) in Putrajaya eröffnet. Als eines der Hauptthemen stand die Zukunft des Irak auf der Tagesordnung. UNO-Generalsekretär Kofi Annan rief die Teilnehmer dazu auf, Selbstmordanschläge prinzipiell abzulehnen. Der russische Präsident Wladimir Putin erklärte, der Islam dürfe nicht als Quelle des Terrorismus gesehen werden.

Schon bei der Außenministertagung vor dem Gipfel hatte das Thema Irak für Kontroversen gesorgt. Malaysia als Gastgeberstaat weigerte sich, einen Vertreter des von den USA eingesetzten irakischen Regierungsrats einzuladen. Die Arabische Liga hat das Gremium jedoch als derzeit rechtmäßige Vertretung anerkannt. Der derzeitige Ratsvorsitzende Iyad Alawi von der Gruppe "Irakische Nationale Eintracht" war in Putrajaya anwesend.

Annan wegen UNO-Abstimmung verhindert

Annan ließ seinen Sondergesandten Lakhdar Brahimi (Algerien) eine Botschaft verlesen, in der er dazu aufrief, den Irak so schnell wie möglich in einen demokratischen Staat zu verwandeln, in dem Frieden herrsche. Der UNO-Generalsekretär wollte ursprünglich selbst nach Putrajaya kommen, war aber wegen der anstehenden Abstimmung über eine neue Irak-Resolution im Weltsicherheitsrat verhindert. Er verurteilte in seiner Erklärung die Selbstmordanschläge im Nahen Osten, geißelte aber auch die israelische Besatzungspolitik als völlig unangemessen.

Juden-feindliche Aussagen von Mahathir

Gastgeber Mahathir erklärte, 1,3 Milliarden Muslime in aller Welt seien unschlagbar, solange sie untereinander einig seien. Sie würden sich auch von "ein paar Millionen Juden" nicht unterkriegen lassen, sagte er mit Blickrichtung auf den Nahost-Konflikt. Und weiters: "Die Europäer töteten sechs von zwölf Millionen Juden. Aber heute regieren die Juden diese Welt durch Stellvertreter. Sie lassen andere für sich kämpfen und sterben".

Gastredner Putin: Islam nicht mit Terrorismus gleichzusetzen

Der russische Präsident Putin erklärte als Gastredner, Terrorismus könne nicht automatisch mit irgendeiner Religion identifiziert werden. Er betonte, dass Muslime einen wichtigen Bestandteil des russischen Volkes ausmachten. Zugleich versprach er, sich um eine friedliche Lösung in Tschetschenien bemühen zu wollen. Es war das erste Mal, dass ein russischer Staatschef zur OIC eingeladen wurde, was Beobachter als diplomatischen Triumph Putins werteten. Russland strebt den Beobachterstatus bei der Islamischen Konferenz-Organisation an. In der Russischen Föderation gibt es bis zu 22 Millionen Moslems. Die zentralasiatischen Ex-Sowjetrepubliken sind der Organisation beigetreten.

8.000 Sicherheitskräfte

Unter den 30 anwesenden Staatschefs befinden sich der afghanische Präsident Hamid Karzai, der pakistanische Militärmachthaber General Pervez Musharraf, sowie die Präsidenten des Iran und Syriens, Mohammad Khatami und Bashar al Assad. Zur Sicherung der Konferenz in Putrajaya sind mehr als 8.000 Polizisten und Soldaten im Einsatz.

In ihrer gegenwärtigen Gestalt als Forum aller Länder mit islamischer Bevölkerung wurde die OIC 1971 auf Initiative des damaligen Königs Faisal von Saudiarabien gegründet. Beobachterstatus haben Bosnien-Herzegowina, die Zentralafrikanische Republik, Guyana und Cote d'Ivoire (Elfenbeinküste), sowie die international nicht anerkannte "Türkische Republik Nordzypern" und die islamische Moro-Befreiungsfront der Philippinen. Albanien war unter dem früheren Staatschef Sali Berisha Mitglied geworden, später aber wieder ausgetreten.

Der alle drei Jahre stattfindende OIC-Gipfel ist der erste seit den Terroranschlägen in New York und Washington am 11. September 2001. Die OIC hat 57 Vollmitglieder mit insgesamt rund 1,5 Milliarden Menschen.(APA)

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OIC

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    Abgeordnete der Islamischen Konferenz

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    Eindeutige Worte fand Mahathir Mohamad als neuer Vorsitzende der OIC bei der Eröffnung der Konferenz: "Juden regieren diese Welt durch Stellvertreter"

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