"Alle Stewardessen kommen in den Himmel": Die südlichste Stadt der Erde

19. Juli 2004, 12:25
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Daniel Burmans argentinische Tragikomödie "Alle Stewardessen kommen in den Himmel"

Ein Film vom Ende der Welt: Dort, ganz unten an der tief verschneiten Südspitze Südamerikas stehen einander eines Tages zwei Lebensmüde mitten im Wald gegenüber. Eine TV-Reportage hat sie auf die Idee gebracht, hier den Erfrierungstod zu suchen.

Begegnet sind sie einander schon vorher: Er, ein verwitweter Augenarzt (Alfredo Casero), der den Tod seiner Frau nicht verwinden kann, ist mit jenem Flugzeug angekommen, in dem sie (Ingrid Rubio) als Stewardess, die an den Herausforderungen des Erdenlebens laboriert, ihrer Arbeit nachgeht. Die seltsame Koinzidenz führt zum Kennenlernen. Alles Weitere ergibt sich fast zwangsläufig: Alle Stewardessen kommen in den Himmel / Todas las azafatas van al cielo von Daniel Burman erinnert in seinem Hang zum auf Umwegen organisierten Zufall ein wenig an die Arbeiten des spanischen Regisseurs Julio Medem (Das rote Eichhörnchen).

Er fabriziert aus den hintergründigen Zusammenhängen, die für die Protagonisten erst allmählich greifbar werden, jedoch die längste Zeit eine leicht schwebende Erzählung, die nicht zuletzt durch ihre ungewöhnlichen Schauplätze und eine gelassene Inszenierung besticht.

Aufgrund eines Streiks an den unwirtlichen Boden gebunden, vertreiben sich ausgelassene Piloten die Zeit mit derben Späßen. In der örtlichen Animierbar dröhnen Baccara aus den Lautsprechern. Ein Gewerkschaftsmann setzt auf listige Doppelstrategien. Und die beiden traurigen Hauptfiguren sehen dann doch einem erwärmenden Happyend entgegen. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2003)

Von
Isabella Reicher

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cinematograph.at
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    foto: cinematograph
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