Zanardi, das Wunder von Monza

18. Oktober 2003, 15:43
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Vor zwei Jahren entkam der Rennfahrer Alex Zanardi mit knapper Not dem Tod - Am Sonntag gibt er in Monza sein Comeback - als erster Rennfahrer ohne Beine

Monza - Am 15. September 2001 stellte sich für den Rennfahrer Alex Zanardi nicht mehr die Frage nach dem Ende seiner Rennsportkarriere, sondern die nach dem Überleben. Am EuroSpeedway Lausitz hatte das Fahrzeug eines Konkurrenten das Auto des Italieners regelrecht durchbohrt. Bei Tempo 320. Die Ärzte mussten dem Italiener in einer Notoperation beide Beine amputieren.

"Ich weiß nur, dass es sehr, sehr schlimm war"

Seitdem ist der Mann aus Bologna 15-mal operiert worden. Am Sonntag (15 Uhr/Eurosport live) wird er wieder im Rennwagen sitzen. Alex Zanardi tritt im Finale der Tourenwagen-EM in Monza erstmals seit seinem Unfall wieder unter Wettbewerbsbedingungen an. Das macht ihn zum ersten beinamputierter Fahrer, der jemals ein Autorennen bestritten hat. Das Trauma vom Lausitzring hat der 36-Jährige nach eigenen Angaben verarbeitet: "Ich habe mich noch nicht allzu oft mit meinem Unfall beschäftigt, ich weiß nur, dass es sehr, sehr schlimm war." Nach seiner Rettung habe er sich zum Ziel gesetzt, irgendwann wieder ein ganz normales Leben führen zu können. "Heute kann ich wieder Laufen, Schwimmen, fahre Ski, und am Wochenende will ich nicht nur zum Spaß im Rennauto sitzen, sondern ernsthaft einen professionellen Job tun", sagt er. BMW-Motorsportdirektor Mario Theissen empfindet es als Ehre, dass der zweimalige US-Cart-Champion sein Comeback in einem BMW des Typs 320 i gibt: "Wie auch immer das Rennen ausgeht, für mich hat Alex schon gewonnen."

Zanardi wird im Team des früheren Tourenwagen-Welt-und -Europameisters Roberto Ravaglia (Italien) neben den Stammpiloten Fabrizio Giovanardi (Italien) und Antonio García (Spanien) einen dritten BMW 320 i fahren. Die Ingenieure haben das Auto den Bedürfnissen Zanardis angepasst. Er kann am Lenkrad Gas geben, die Kupplung betätigt er über den Schalthebel. Teamchef Ravaglia: "Als Alex uns zu verstehen gab, dass es sein Wunsch ist, einen BMW zu fahren, haben wir alles getan, um ihm eine umfassende Unterstützung zu geben." Zanardi dankt es ihm: "Diese Leute haben in die für mich erforderliche Technik viel Zeit investiert."

Am 15. Juli saß Zanardi auf dem Adria Raceway nahe Venedig erstmals im Ravaglia-BMW. nach zwei weiteren Tests kam der Entschluss, in Monza anzutreten. Über sein Ziel dort sagt Zanardi: "Wenn ich am Wochenende einigermaßen mithalten kann, zeigt das: Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg." (DER STANDARD, Printausgabe, Donnerstag, 16. Oktober 2003, sid, sjk)

Routinier Dieter Quester kann beim Finallauf der FIA-GT-Meisterschaft am Wochenende in Monza nicht Teil nehmen, sein Partner Luca Riccitelli hat sich die Hand gebrochen.
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    Alex Zanardi im Cockpit des speziell für ihn adaptierten Rennwagens.

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