Kommentar: Keine Empfehlung

15. Oktober 2003, 21:26
posten

Je länger der Arbeitskampf dauert, desto mehr liegen die Nerven blank - Von Claudia Ruff

Je länger der Arbeitskampf bei der AUA dauert, desto mehr liegen die Nerven blank. Einiges scheint in den vergangenen Tagen der Kontrolle der Akteure entglitten zu sein. Der sonst so souverän auftretende AUA-Vorstand reagierte auf die streikwilligen Piloten zunehmend gereizt und aggressiv. Da war die Rede von einer "streikgeilen Gewerkschaft und Karriere- neurotikern" - ganz zu schweigen von den Entlassungsdrohungen und dem Verbot einer Betriebsversammlung im Vorfeld eines ÖGB-Bundeskongresses. Da wird mit einem fix vorgegebenen Einsparungsziel von 30 Millionen Euro in Verhandlungen gegangen, und dann wundert man sich, dass die Gewerkschaft von einem "Vorstandsdiktat" spricht.

Keine Frage, die Pilotengehälter stehen in keiner Relation zum wirtschaftlichen Erfolg der Airline. Dass es Abstriche geben muss, steht fest. Die Piloten müssen auch zur Kenntnis nehmen, dass sich der Vorstand nur als Passagier an Bord an die Anweisungen der Besatzung halten muss - am Boden weist hingegen der Vorstand den Weg und trägt dafür die Verantwortung. Genauso wie es im Ernstfall an Bord die Piloten tun müssen. Jeder tut also im Regelfall das, wovon er am meisten versteht: Die einen fliegen, die anderen führen den Betrieb.

Dennoch: So alte Airlinehasen wie Vorstand Walter Bock, selbst Pilot und ehemaliger Betriebsrat, oder der langjährige Tyrolean-Vorstand Josef Burger kennen die Kollegen vom Cockpit wie ihre Westentasche. Sie wissen um den Stolz und die Sturheit dieser Berufsgruppe. Aber offenbar wollte bisher keiner der beiden Kontrahenten über seinen Schatten springen und lieber jeder die Situation ausreizen. Anders ist es nicht zu erklären, dass seit eineinhalb Jahren ohne irgendeine Annäherung verhandelt wird. Das ist für beide Seite keine Empfehlung. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2003)

  • Bild nicht mehr verfügbar
Share if you care.