Gorbach im Mittelpunkt der Personalrochaden

20. Oktober 2003, 12:52
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Für den Posten des Vizekanzlers fällt immer wieder der Name des Infrastrukturministers

Wien - Regierungsumbildung? Überhaupt kein Thema, versicherten die VP-Minister, die sich Mittwoch im Kanzleramt versammelten - und dort nur über E-Government gesprochen haben wollen. Hinter den Kulissen wird aber sehr wohl über eine rasche Rochade spekuliert. Und dabei fällt für den Posten des Vizekanzlers immer wieder der Name, der in der FPÖ seit Jahren bei jeder möglichen Rochade genannt wird: Hubert Gorbach.

Wirklich dementiert hat der Infrastrukturminister weder seinen möglichen Aufstieg noch Ambitionen darauf: "Ich gebe, dort, wo ich bin, mein Bestes. Alles andere ergibt sich", tönte der ehrgeizige Vorarlberger viel sagend nichts sagend. Chancen zum Aufstieg hat der 47-Jährige mit dem leicht anachronistischen Schnurrbart selten ausgeschlagen - so lag es nicht an ihm, dass er bis 2003 warten musste, um aus der Vorarlberger Landesregierung endlich nach Wien zu wechseln.

Davor hatte er es, unter Susanne Riess-Passer, nur zum ewigen Minister in Reserve und zum Vize-FP-Chef gebracht. Einem weiteren Aufstieg des gemäßigten Blauen stand damals unter anderem sein gespanntes Verhältnis zu Jörg Haider entgegen - begründet in Gorbachs Unterstützung für Norbert Steger, am Leben gehalten durch Haider- kritische Töne, die sich der mediengewandte Gorbach vor und nach Knittelfeld gern entlocken ließ, etwa: "Die Nach- Haider-Ära beginnt."

Solch Haider-Kritik ist vom Machtpolitiker Gorbach nicht mehr zu hören. Hat der intern als "Meister der Wendungen" Titulierte doch das Kunststück geschafft, Haiders Lob zu erringen - und gleichzeitig zum kleinen strategischen Vertrautenkreis um FP-Chef Herbert Haupt zu zählen.

Ob der passionierte Hobbyreiter Gorbach aber den Parforceritt, sich als Vizekanzler mehr gegen die ÖVP durchzusetzen, bewältigen könnte, wird bezweifelt: Erstens, weil Gorbach bisher genug damit zu tun hatte, sich gegen seinen vorlauten Staatssekretär Helmut Kuckacka durchzusetzen. Und zweitens, weil auch Gorbach schon in Ministerratssitzungen mit seiner Meinung hinein- und mit Wolfgang Schüssels Meinung hinausging, etwa während der Voest- Krise. Dennoch ruhen Haiders Hoffnungen derzeit auf Gorbach und Justizminister Dieter Böhmdorfer. Falls Haupt sich doch zu einer Regierungsumbildung überreden lässt. (Eva Linsinger/DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2003)

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