EU-Flugreisende haben künftig Recht auf Entschädigung

19. Oktober 2003, 18:44
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Airlines müssen bei Überbuchung oder Flugausfall zahlen

Brüssel - Flugreisende in der Europäischen Union (EU) können künftig auf Entschädigung hoffen, wenn sie wegen Überbuchung oder Ausfall eines Flugs ihr Ziel nicht erreichen. Das sieht ein Kompromisstext vor, den der Vermittlungsausschuss von Europaparlament und EU-Ministerrat am Mittwochmorgen in Brüssel verabschiedete. Auch wer stundenlang auf seinen Flieger warten muss, bekommt künftig zumindest eine Mahlzeit, bei langen Verspätungen auch eine Nacht im Hotel bezahlt. In Kraft tritt die Verordnung voraussichtlich Ende 2004.

Saftige Entschädigungen müssen die Fluggesellschaften an alle Passagiere zahlen, die wegen Überbuchung nicht fliegen können. Je nach Länge der Flugstrecke werden 250 bis 600 Euro fällig. Ersteres gilt für Kurzstrecken von weniger als 1.500 Kilometern, letzteres für Distanzen über 3.500 Kilometer. Überbuchung bedeutet, dass die Airline mehr Tickets verkauft hat als Plätze zur Verfügung stehen. Dies ist heute gängige Praxis, um die Maschinen besser auszulasten und damit profitabler zu fliegen.

Kurzfristige Streichung

Auch wenn eine Airline Flüge kurzfristig streicht, wird sie künftig zur Kasse gebeten - allerdings nur dann, wenn keine höhere Gewalt vorliegt, wie etwa ein Sturm, eine technische Panne oder ein Streik am Flughafen. Sind Flüge stundenlang verspätet, erhalten die Passagiere künftig wenigstens ein Essen und Getränke. Geht der Flieger erst am Folgetag, soll ihnen auch eine Nacht im Hotel und die Taxifahrt dorthin zustehen. Bei Verspätungen von mehr als fünf Stunden kann der Flug allerdings auch storniert werden. Die Passagiere können sich dann entweder den Ticketpreis zurückerstatten lassen oder zum frühestmöglichen Zeitpunkt zum Startort zurückfliegen.

"Wir schaffen damit ein System von Entschädigungen für Passagiere, ohne die Fluggesellschaften in die Knie zu zwingen", sagte EU-Parlamentsvertreter Georgio Lisi zu dem Kompromiss. Eine Reihe von Airlines in Europa und den USA sind seit den Terroranschlägen vom 11. September 2001 in schwere finanzielle Turbulenzen geraten. Die Regelung gilt für alle Fluggesellschaften, die aus der EU starten oder auf EU-Gebiet landen. Damit hat auch derjenige Recht auf Entschädigung, der mit einer US-Airline von Frankfurt nach New York fliegt.

Verbraucherschützer: Die Regeln sind zu kompliziert

Verbraucherschützern geht die Neuregelung allerdings nicht weit genug. "Die Regeln sind zu kompliziert", bemängelte Nuria Rodríguez vom Dachverband der europäischen Verbraucherzentralen BEUC in Brüssel. Um tatsächlich eine Entschädigung zu erhalten, müssten sich die Reisenden durch ein wahres Dickicht von Bedingungen kämpfen. Besonders beim Ausfall von Flügen kämen die Airlines oft unter Berufung auf höhere Gewalt davon.

Harte Kritik übte die Verbraucherschützerin auch an der einjährigen "Schonfrist", die Brüssel den Airlines einräumen will. Damit sollen mögliche finanzielle Einbußen gemildert werden. Nach einer abschließenden Lesung im Parlament kann die Verordnung dann voraussichtlich erst Ende 2004 oder Anfang 2005 in Kraft treten. Profitieren werden von der Neuregelung allein in den bisher 15 EU-Staaten 250 Millionen Fluggäste jährlich.

Über die geplanten Änderungen beim Flugverkehr hinaus gibt es einen Lichtblick für alle, die sich über ausgefallene oder verspätete Züge ärgern: Die EU-Kommission will die Regeln auch auf den Zug- und Schiffsverkehr ausweiten.(APA)

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