Drohgebärden Nordkoreas von Moskau kritisiert

18. Oktober 2003, 16:39
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Pjöngjang hatte Vorbereitungen auf möglichen Nuklearwaffentest angedeutet - Südkoreas Präsident sieht in Drohungen politischen Trick

Moskau/Seoul - Russland hat die jüngsten Drohgebärden Nordkoreas im internationalen Streit um dessen Atomprogramm kritisiert. "In dieser Lage müssen Erklärungen und Handlungen vermieden werden, die eine friedliche Lösung des Problems erschweren könnten", sagte Vize-Außenminister Juri Fedotow am Freitag in Moskau. Die Führung in Pjöngjang hatte am Vortag Vorbereitungen auf einen möglichen Nuklearwaffentest angedeutet.

Russische Nuklear-Experten halten einen Bau von Atomwaffen in Nordkorea innerhalb der nächsten Jahre für unwahrscheinlich. "Sie haben Brennstäbe mit Plutonium sowie eine bestimmte Menge spaltbaren Materials", sagte ein Minister bei einem Hintergrundgespräch im September. Die Qualität des nordkoreanischen Plutoniums reiche noch nicht für Atomwaffen, wohl aber für so genannte schmutzige Waffen.

Das sind Sprengköpfe, deren konventionelle Ladung mit radioaktivem Material versetzt ist. Nordkorea habe bisher weder Uran noch Zentrifugen, bemühe sich aber weltweit um den Kauf dieser Komponenten, sagte der Experte.

"Atomare Abschreckungsmacht" offen zeigen

Nordkorea bereitet sich möglicherweise auf den Test einer Atombombe vor. Wenn die Zeit komme, werde das Land seine "atomare Abschreckungsmacht" offen zeigen, hieß es am Donnerstag in einer Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Das Land habe keine andere Wahl, als seine nukleare Abschreckung als Maßnahme der Selbstverteidigung gegen US-Angriffspläne auszubauen, zitierte die amtliche nordkoreanische Nachrichtenagentur KCNA einen Ministeriumssprecher.

"Wenn die richtige Zeit kommt..."

"Wenn die richtige Zeit kommt, wird die Volksrepublik (Nordkorea) eine Maßnahme ergreifen, um ihre nukleare Abschreckung der Öffentlichkeit als physische Macht zu offen zu legen", hieß es am Donnerstag in der Erklärung des Außenministeriums in Pjöngjang. Dann werde es auch keine Diskussionen über Nordkoreas nukleare Kapazitäten mehr geben. Aus der Erklärung ging nicht hervor, auf welche Weise die atomare Abschreckung gezeigt werden soll.

Den USA wurden erneut Angriffspläne gegen das kommunistische Land vorgeworfen. Die jüngste Erklärung aus Nordkorea erfolgte einen Tag vor dem Beginn einer Asien-Reise von US-Präsident George W. Bush. In der Erklärung vom Donnerstag wurde die Möglichkeit für weitere Gespräche aber offen gehalten. "Es gibt weiter keinen Wechsel des Standpunkts der Volksrepublik, dass es nicht an einem bestimmten Dialogformat festhält", sagte der Ministeriumssprecher. Die USA müssten jedoch ihre Bereitschaft zeigen, ihre Politik gegenüber Nordkorea zu ändern.

Brennstäbe aufbereitet

Pöngjang hatte sich zuletzt nicht mehr gesprächsbereit über sein umstrittenes Atomprogramm gezeigt und auf sein Recht zur nuklearen Abschreckung gepocht. Vor rund zwei Wochen hatte Pjöngjang angedeutet, aus den Sechser-Gespärchen mit den USA, Russland, China, Südkorea und Japan auszusteigen. Kurz darauf verkündete das Land, rund 8.000 Nuklearbrennstäbe wiederaufbereitet und damit die Voraussetzung für den Bau von Atomwaffen geschaffen zu haben.

Der amerikanische Geheimdienst geht davon aus, dass Nordkorea bereits über ein oder zwei Atombomben verfügt und an weiteren arbeitet. Der Streit mit den USA eskalierte vor gut einem Jahr, als Nordkorea nach amerikanischen Angaben einräumte, ein geheimes Atomwaffenprogramm zu betreiben. Pjöngjang fordert von Washington die Unterzeichnung eines Nichtangriffspakts, wirtschaftliche Hilfe und die Aufnahme diplomatischer Beziehungen. Die US-Regierung erklärte dagegen, zunächst müsse Nordkorea sein Atomwaffenprogramm beenden.

Südkoreas Präsident sieht in Drohungen politischen Trick

Der südkoreanische Präsident Roh Moo Hyun hat die jüngste Atom-Drohung Nordkoreas als Wortgetöse und Verhandlungstrick vor weiteren Gesprächen über das Atomwaffen-Programm des Landes bezeichnet. "Ich denke Nordkorea tönt herum, um eine bessere Position in den Verhandlungen zu erreichen", sagte Roh am Freitag in einem Interview der Nachrichtenagentur Reuters. Nordkorea hatte am Donnerstag erklärt, seine atomare Abschreckung "zu angemessener Zeit" vorzuführen.

"Ich glaube nicht, dass Nordkorea eigentlich Atomwaffen besitzen will"

"Ich glaube nicht, dass Nordkorea eigentlich Atomwaffen besitzen will, sondern eher Garantien für sein Regime sichern und Wirtschaftshilfe von außen erreichen will", sagte Roh. Das verarmte Nordkorea ist zur Versorgung seiner Bevölkerung auf Hilfen aus dem Ausland angewiesen und hatte in den vergangenen Monaten seine Rhetorik gegenüber dem Ausland und insbesondere gegenüber den USA drastisch verschärft.

Roh lehnte Aussagen darüber ab, ob Nordkorea seiner Einschätzung nach bereits über Atomwaffen verfügt. Nordkorea befinde sich jedoch auf einen gefährlichem Weg, der zu nichts führe, sagte Roh. Die gegenwärtige Krise werde jedoch "gut gelöst" werden. Das international weitgehend isolierte Land hatte nach US-Angaben vor gut einem Jahr eingeräumt, entgegen einem Abkommen von 1994 sein Atomprogramm fortgesetzt zu haben. (APA/dpa/AP/Reuters)

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    Ein nordkoreanisches Plakat

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