Dünne Luft im Handel

16. Oktober 2003, 17:03
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Ertragslage der Kleinen verschlechtert - Umsatzrentabilität sank 2001/02 auf ein Prozent

Wien - "Für den Handel wird die Luft dünner." So fasst der Obmann der Sparte Handel in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), Erich Lemler, die aktuelle Situation der Kaufleute - vor allem Einzelhandel - zusammen. Wie aus der jüngsten Analyse auf Basis von rund 14.000 Jahresabschlüsse 2001/02 von Betrieben (mit weniger als 100 Mio. Euro Umsatz) im Groß-, Einzel- und Kfz-Handel der KMU Forschung Austria hervorgeht, ging die durchschnittliche Umsatzrentabilität von 1,6 (2000/01) auf 1 Prozent zurück.

Laut Analyse der KMU Forschung Austria schreiben 49 Prozent der Betriebe rote Zahlen. 16 Prozent der Unternehmen weisen einen negativen Cash Flow aus, verfügen also über keine Innenfinanzierungskraft; im Schnitt beträgt der Cash flow der Händler 3,6 Prozent. 44 Prozent der Betriebe sind buchmäßig überschuldet, haben also kein Eigenkapital. Die Eigenkapitalquote der Handelsbetriebe generell liegt mit 21,1 Prozent nur noch knapp über dem betriebswirtschaftlichen Mindest-Richtwert von 20 Prozent.

Kleine und mittlere Einzelhändlern leiden

Besonders schlecht ist die Lage bei den kleinen und mittleren Einzelhändlern: Die Umsatzrentabilität ging dort von 1,3 auf 0,5 Prozent zurück. Nach Branchen geht es den Buchhändlern derzeit mit einer Ertragskraft von 3 Prozent am besten, gefolgt vom Elektrohandel mit 1,2 Prozent und dem nicht filialisierten Spielwaren- und Sportartikelhandel mit 1,1 Prozent. Anders sieht es bei kleinen Drogerien- und Parfümerien aus. Ihre Verluste im Ergebnis der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit (EGT) machen bereits durchschnittlich 3,6 Prozent des Umsatzes aus. Fast genauso schlecht geht es den kleinen Lebensmittelhändlern, die auf eine Umsatzrentabilität von minus 2,3 Prozent kommen.

Peter Voithofer, Handelsexperte der KMU Forschung Austria, ortet zudem ein Ost-West-Gefälle bei der Ertragslage. Während die Einzelhändler im Osten im Schnitt auf eine Umsatzrentabilität von 0,8 Prozent kommen, schneiden sie im Westen gerade noch mit plus/minus Null ab. Besser geht es dagegen den Geschäften in den Tourismusregionen, deren EGT immerhin 1,3 Prozent des Umsatzes ausmacht.

Großen geht es gut

Noch besser geht es im Handel nur den wirklich Großen: Wie aus einer Sonderauswertung von rund 200 Bilanzen von Handelsketten mit mehr als 100 Mio. Euro Umsatz hervorgeht, liegt ihre Umsatzrentabilität im Einzelhandel bei 2 Prozent und damit deutlich besser als bei den KMU. Auch bei den Autohändlern verdienen die größeren mit einer Umsatzrentabilität von 0,7 Prozent deutlich besser als die kleineren mit im Schnitt 0,3 Prozent (2000/01: 0,9), im Großhandel liegt sie bei den Betrieben mit mehr als 100 Mio. Euro Umsatz bei 1,4 Prozent, bei den übrigen bei 1,5 Prozent (2000/01: 1,9 Prozent). Ein ähnliches Bild zeigt sich bei Eigenkapitalausstattung und Cash flow, so Voithofer.

Der Handelsexperte rechnet auch im laufenden Jahr mit keiner nachhaltigen Verbesserung der Struktur bei den kleinen und mittleren Betrieben. "Es gibt weder das Allheilmittel Wachsen noch das Allheilmittel Standort im Einkaufszentrum", so Voithofer. Abhilfe biete nur die Zusammenarbeit der Händler, insbesondere im Einkauf, aber auch die Einigung auf einheitliche Öffnungszeiten und die Durchforstung der Kosten. Beschäftigungsmodelle seien allerdings bei kleinen Betreiben viel schwieriger umzusetzen.(APA)

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    "Für den Handel wird die Luft dünner"

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