Dreifachmord in deutscher Anwaltskanzlei aufgeklärt

17. Oktober 2003, 12:28
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10.000 Euro Mietschulden führten zur Bluttat - Ex-Söldner schoss aus Rache mit geborgter Pumpgun

Köln - Der Dreifachmord an einer Anwaltsfamilie in Overath ist aufgeklärt.

Die Polizei hält den 45-jährigen Thomas A. für den Täter, der am 7. Oktober den 61-jährigen Rechtsanwalt Hartmut N., seine 53-jährige Ehefrau und seine 26-jährige Tochter mit Kopfschüssen getötet hat.

Streit um Mietschulden

Motiv sei ein Streit um Mietschulden von 10.000 Euro gewesen, bei dem der Anwalt gegen Thomas A. aufgetreten sei, berichtete die Polizei. Gegen den Tatverdächtigen und seine Freundin wurde Haftbefehl erlassen. Wie der 45 Jahre alte Ex-Söldner wurde auch die 19-Jährige in Untersuchungshaft genommen, teilte die Polizei in Köln mit. Die 19-Jährige hatte gestanden, die Tochter des Anwalts gefesselt zu haben, bevor ihr Freund nach der Ehefrau die Tochter und ihren Vater erschossen habe.

Thomas A. schwieg vorerst zu den Vorwürfen. Ihre Erkenntnisse hat die Polizei aus einem Geständnis seiner 19-jährigen Freundin Jennifer D., sowie aus Angaben von Bekannten des Hauptverdächtigen.

Geliehene Pumpgun

Die beiden Beschuldigten waren am Dienstagabend, eine Woche nach der Tat, von einem Sondereinsatzkommando vor einer Spielothek in Aldenhoven im Kreis Düren festgenommen. Der entscheidende Hinweis kam von einem Bekannten des 45-Jährigen, der ihm die Tatwaffe, eine Pumpgun, vor einem Jahr überlassen hatte. Nach dem Verbrechen hatte Thomas A. ihm die Waffe zurückgegeben und dabei den Mord gestanden.

Söldner in Rhodesien und Argentinien

A. hatte nach den Angaben der Polizei die Schule Ende der siebziger Jahre vor dem Abitur verlassen und sich dann als Söldner in Rhodesien und Argentinien verdingt. Zuletzt sei er arbeitslos gewesen. Der Mann sei der rechten Szene zuzuordnen, was allerdings keinen Zusammenhang mit der Tat habe. Ein politisches Motiv sei nicht zu erkennen, erklärte die Polizei.

Zorn

Nach den Worten von Oberstaatsanwalt Hans Bernhard Jansen hatte der Beschuldigte einen "irrsinnigen Zorn" gegen den Anwalt und habe deshalb ihn und seine Familie töten wollen. Das Paar hatte sich nach den Angaben der Polizei unter dem Vorwand, einen Termin zu haben, Zugang zu der Anwaltspraxis verschafft. Dort habe Thomas A. die Pumpgun aus einer Sporttasche gezogen und sofort die Ehefrau des Anwalts mit einem Schrotschuss getötet.

Danach sei es zunächst zu einem Gerangel gekommen, in dessen Verlauf Jennifer D. die Anwaltstochter fesselte. Dann habe Thomas A. die beiden noch lebenden Opfer mit je einem Schuss umgebracht.

Phantombilder

Zu Meldungen, dass A. einer rechtsradikalen Wehrsportgruppe angehöre, gebe es keine Erkenntnisse bei der Polizei. Die Ermittlungen über das Umfeld von A. stünden noch am Anfang. Von der Kleidung her sei der Verdächtige jedenfalls nicht als typischer Rechtsextremist aufgefallen.

In dem Overather Fall hatte eine 33-köpfige Mordkommission etwa 120 Hinweise verfolgt. Seit Freitag hatte die Polizei mit Phantombildern dem Paar, dem hageren Mann und der Frau mit dem roten Pferdeschwanz, gefahndet. Bei der Festnahme seien die Verdächtigen unbewaffnet gewesen und hätten keine nennenswerte Gegenwehr geleistet, erklärte die Polizei. (APA)

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