Streit um Verbrechensbekämpfung

16. Oktober 2003, 14:50
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Linksdemokraten werfen Regierung vor, dass Mafia "keine Angst mehr zu haben braucht"

Rom - In Italien setzt sich auch der heftige Streit um die Anti-Mafia-Strategie der Regierung von Silvio Berlusconi fort. Zündstoff waren die Worte des Fraktionschefs der Linksdemokraten (DS), der stärksten Oppositionspartei, in der Abgeordnetenkammer, Luciano Violante, wonach die Mafia vom italienischen Staat nichts mehr zu befürchten habe, seitdem Berlusconi das Ruder des Landes im Griff hat. "Die Mafia braucht in Italien keine Angst mehr zu haben. Nicht dank der Sicherheitskräfte, sondern dank des Regierungschefs", sagte Violante in einem Interview im Rahmen eines Informationsprogramms des Pay-TV-Senders "Sky Italia".

Violante bekräftigte seinen Angriff: "Berlusconi bezeichnet die Richter als geistesgestört. Ich weiß, wie die Mafia denkt und weiß auch, dass die Mafia davon profitiert, wenn im Land ein bestimmtes Klima herrscht", sagte Violante, Ex-Staatsanwalt und früherer Chef der parlamentarischen Anti-Mafia-Kommission, laut italienischen Medien.

Innenminister: Verstärkter Kampf

Innenminister Giuseppe Pisanu kritisierte Violantes Worte. "Seine Aussagen sind absolut unbegründet, weil die Regierung Berlusconi den Kampf gegen die Mafia und das organisierte Verbrechen wesentlich verstärkt hat. Allein dieses Jahr wurden 6.800 Mafiosi festgenommen, darunter 230 Personen, die seit Jahren flüchtig waren", berichtete Pisanu.

"Violantes Worte sprechen für sich selbst", reagierte Berlusconi auf Violantes Attacken. Hitziger reagierten seine Parteileute. Der Sprecher der Berlusconi-Partei Forza Italia in der Abgeordnetenkammer, Sandro Bondi, bekundete, dass seine Parlamentarier alle Treffen boykottieren werden, an denen Violante anwesend sein wird. "Violante verbreitet Hass, er führt eine kriminelle Kampagne gegen Berlusconi", warnte Bondi in einer Rede vor der Abgeordnetenkammer.

Der Europa-Parlamentarier der Forza Italia, Antonio Tajani, beschuldigte Violante, die italienischen Institutionen und die Sicherheitskräfte, die die Mafia bekämpfen, zu verleumden. (APA)

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