Drei Tote bei Bombenanschlag auf US-Konvoi in Gaza

17. Oktober 2003, 14:25
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Opfer sind Sicherheitsleute - Palästinensischer Premier Korei kündigt Untersuchung an

Es war, so weit erinnerlich, der erste Anschlag im Palästinensergebiet, bei dem US-Funktionäre getötet wurden. Von dem kugelsicheren Geländefahrzeug, unter dem auf einer Landstraße am Nordrand des Gazastreifens ein großer Sprengkörper detoniert war, blieb nur ein verformtes Gerippe mit einem amerikanischen Diplomatenkennzeichen übrig.

Die drei Toten sind zivile Sicherheitsleute, die eine aus Tel Aviv kommende Delegation der US-Botschaft schützen sollten. Ein Schwerverletzter, vermutlich ein Diplomat, wurde mit einem Hubschrauber nach Israel ausgeflogen. In den ersten Minuten nach der Explosion war spekuliert worden, dass John Wolf unter den Opfern sein könnte, jener Sonderemissär, der die Umsetzung des Friedensplans überwachen sollte. Wolf hat die Region aber schon vor einigen Wochen verlassen.

Extrem peinlich

Für die palästinensische Führung, die bei den Amerikanern ohnehin schlecht angeschrieben ist, war der Zwischenfall extrem peinlich. Premier Achmed Korei verurteilte die Tat, "von wo immer sie gekommen ist", und kündigte eine Untersuchung an. Kabinettsminister Saeb Erekat sagte, die Tat richte sich "gegen die Interessen der Palästinenser". Die radikalen Palästinensergruppen Hamas und Islamischer Djihad versicherten, sie würden nur gegen "die Besatzung" operieren und hätten mit der Sache nichts zu tun.

Der Konvoi aus drei Diplomatenautos mit insgesamt zwölf Amerikanern hatte kurz nach zehn Uhr früh aus Israel kommend die Grenze passiert und sich hinter ein Geleitfahrzeug der palästinensischen Polizei gesetzt, Minuten danach wurde er in der Nähe des Städtchens Beit Hanun von der Explosion gestoppt. Die Bombe dürfte per Fernsteuerung gezündet worden sein.

Fahrten in den Gazastreifen gehören für amerikanische und andere Diplomaten zur täglichen Routine. Einer Version nach waren die Amerikaner gestern zu einem Treffen mit palästinensischen Professoren unterwegs, die zu einem Aufenthalt in den USA eingeladen werden sollten, einer anderen Angabe zufolge handelte es sich um "Beobachter", möglicherweise aus Wolfs Team. Nach den US-Vetos gegen Verurteilungen Israels im UN-Sicherheitsrat hatten sich in den vergangenen Wochen die antiamerikanischen Gefühle unter den Palästinensern verschärft. Amerikanische Beamte, die den Anschlagsort fotografierten, wurden von Palästinensern mit Steinen beworfen. Die US-Botschaft wies alle Amerikaner an, den Gazastreifen sofort zu verlassen. Palästinensische Berichte, wonach israelische Panzer nach dem Anschlag permanente Positionen im Umfeld von Beit Hanun bezogen hätten, schienen sich nicht zu bestätigen. (DER STANDARD, Printausgabe, 16.10.2003)

Ben Segenreich aus Tel Aviv
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    Auf einen US-Konvoi wurde am Mittwoch in Gaza ein Anschlag verübt.

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