Libyen bricht Verhandlungen über Entschädigung ab

16. Oktober 2003, 18:02
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Offenbar Uneinigkeit über Interpretion des Abkommens vom 11. September - Streit um Höhe der Entschädigungen eskaliert

Tripolis/Paris - Libyen hat die Verhandlungen mit Frankreich über die Entschädigungszahlungen für den Absturz einer französischen UTA-Maschine vor 14 Jahren abgebrochen. Der Chef der libyschen Verhandlungsdelegation, Salah Abdel Salam, sagte am Dienstag in Paris, die Verhandlungen seien "ausgesetzt". Als Grund gab er an, das französische Außenministerium habe sich dem Abkommen vom 11. September zu entziehen versucht. Er kündigte an, nach Libyen zurückzukehren.

Sanktionen aufgehoben

Der UN-Sicherheitsrat hatte am 12. September die Sanktionen gegenüber Libyen aufgehoben, nachdem Tripolis die Verantwortung für die Anschläge auf die PanAm-Maschine über dem schottischen Lockerbie sowie auf die UTA-Maschine über der nigerianischen Wüste übernommen hatte. Bei den Abstürzen 1988 und 1989 waren insgesamt 440 Menschen getötet worden. Frankreich hatte zunächst mit seinem Veto im Sicherheitsrat gedroht, sich dann aber der Stimme enthalten, nachdem sich Libyen bereit erklärt hatte, die Entschädigungszahlungen für die Opfer des zweiten Anschlags erheblich aufzustocken.

Uneinigkeit über Interpretation

Offenbar gibt es Probleme bei der Interpretation der Übereinkunft vom 11. September. Nach Ansicht der Hinterbliebenen-Vertreter hat sich Libyen darin im Grundsatz zu höheren Entschädigungszahlungen bereit erklärt, deren genaue Höhe aber in weiteren Verhandlungen geklärt werden sollte. Dagegen versicherte der Leiter der mit der Entschädigung befassten Gaddafi-Stiftung, Gaddafi-Sohn Seif el Islam, Frankreich habe dem libyschen Vorschlag zugestimmt, pro Familie der 170 Todesopfer eine Million Dollar zu zahlen. Vertreter der Hinterbliebenen wiederum bezeichnen den Betrag als zu niedrig; den Familien der Opfer von Lockerbie hatte Tripolis vier Millionen Dollar zugesagt.

Für zusätzliche Verwirrung sorgte eine Erklärung Seif el Islams vom Montag, wonach Frankreich einem geheimen Zusatzabkommen zugestimmt habe, dessen Inhalt er zu veröffentlichen drohte. Das französische Außenministerium versicherte am Dienstag, es gebe keinen "Geheimvertrag": Die Angelegenheit werde "in völliger Transparenz" zwischen der Gaddafi-Stiftung und den Angehörigen der Opfer geregelt. (APA/AFP)

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