Die Krone und ihr "Feuerteufel"

15. Jänner 2000, 17:50

Der Standard bat Politiker aller Parteien um Stellungnahmen

Die mediale Darstellung des mutmaßlichen, erst 16-jährigen Brandstifters von St. Georgen in Oberösterreich sorgt für anhaltende Diskussionen. Vor allem die Kronen Zeitung, die den vollen Namen und "ungeschminkte" Bilder des Verdächtigen veröffentlichte, muss sich vorwerfen lassen, gegen bestehende Gesetze zu verstoßen. Der Standard bat Politiker aller Parteien um Stellungnahmen.

Von "Das wird teuer" bis "bewusst gegen das Mediengesetz verstoßen" - Krone und Kleine am Brandherd

VP-Außenminister und Vizekanzler Wolfgang Schüssel: "Ein Jugendlicher als mutmaßlicher Straftäter ist selbst in dieser höchst problematischen Situation gegenüber der geballten Wucht medialer Aufmerksamkeit schutzbedürftig. Für den Jungen muss ein Leben danach möglich sein! Die Bezeichnung 'Feuerteufel' wurde bereits vor der Ausforschung verwendet. Ob diese Bezeichnung freilich bei diesem 16-Jährigen angebracht ist, erscheint zumindest als fragwürdig."

Innenminister Karl Schlögl (SPÖ): "Ich bin überrascht von der inkriminierten Berichterstattung. Das ist auf keinen Fall eine richtige und korrekte Vorgangsweise."

FPÖ-Bundesobmann Jörg Haider ließ über seinen Parlamentsklub mitteilen: "In einem Rechtsstaat gilt die Verpflichtung für alle Staatsbürger, aber auch für alle Einrichtungen, dass die Gesetze des Landes unbedingt einzuhalten sind. Es gibt bei der Behandlung von nicht rechtskräftig verurteilten Tatverdächtigen im Medienrecht klare Richtlinien, die im bezeichneten Fall sicher verletzt wurden."

Alexander Van der Bellen, Bundessprecher der Grünen: "Ich bin prinzipiell gegen die Veröffentlichung von Fotos minderjähriger Straftäter, egal ob kenntlich oder unkenntlich gemacht. Solche Abdrucke haben nichts mit Pressefreiheit oder Veröffentlichungspflicht zu tun. Jugendlichen wird dadurch die Chance der Resozialisierung genommen. 'Feuerteufel' ist Produkt des reißerischen Journalismus, der der psychologischen Situation des Täters nicht gerecht, aber sicher umsatzfördernd ist. Mit schriller Berichterstattung laufen Medien Gefahr, ungewollt zu Komplizen zu werden."

Die steirische Landeshauptfrau Waltraud Klasnic (ÖVP): "Ich lehne eine Vorverurteilung von mutmaßlichen Straftätern schärfstens ab. Es gibt außerdem in Österreich die eindeutige Regelung, dass Entscheidung über Recht und Unrecht Gerichtshöfen obliegt. Auch sollte von brüskierenden und rein polemischen Bezeichnungen Abstand genommen werden. Menschen werden als Menschen geboren - kein Mensch wird von mir als Teufel bezeichnet."

LiF-Bundessprecherin Heide Schmidt: "Ich halte die Berichterstattung für skandalös, zutiefst unanständig und für eine anmaßende Hinwegsetzung über den Rechtsstaat. Aus Gewinnsucht und Konkurrenzdenken ist ein Aufmacher wichtiger als fundamentale Rechtsgrundsätze. Derartige Berichterstattung ist das Ergebnis eines abgestumpften und resignierenden öffentlichen Gewissens, sodass manche Medien glauben, sich alles erlauben zu können."

Kurt Lichtl, der Anwalt des verdächtigen Lehrlings, zeigt sich von der Diskussion um den Persönlichkeitsschutz positiv überrascht. "Ich habe von anderen Presse-Vertretern überwiegend negative Kommentare zum Verhalten der Krone gehört. Es scheint tatsächlich auch den Berufskollegen zu viel geworden zu sein." (red)

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