Immer mehr Dialysepatienten

15. Oktober 2003, 22:48
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Die Versorgung der Patienten im Vier-Schicht-Betrieb stößt zunehmend an Grenzen

Jedes Jahr gibt es knapp vier Prozent mehr Menschen, die sich der anstrengenden Dialyse unterziehen müssen. Darauf macht die Österreichische Gesellschaft für Nephrologie aufmerksam. Rund 6000 Patienten gibt es in Österreich, die ihr Blut wegen einer Nieren- oder Zuckerkrankheit von schädlichen Stoffen "waschen" lassen müssen - die Hälfte von ihnen hat bereits eine Niere von einem anderen Spender transplantiert, erklärt AKH-Spezialist Walter Hörl. Insgesamt leiden 300.000 an einer Nierenkrankheit.

Vier-Schicht-Betrieb

Die Versorgung der Patienten stößt zunehmend an Grenzen. In einigen Wiener Spitälern wird im Vier-Schicht-Betrieb die Blutreinigung angeboten. Betroffene, deren Nieren endgültig versagt haben, müssen dann beispielsweise nach Mitternacht zur Dialyse erscheinen. Mehr als 100 Betreuungsplätze gibt es in Wien. Hörl erklärt, dass Wien in Westeuropa die einzige Stadt sei, in der in vier Schichten dialysiert werden muss. Es gebe Engpässe, obwohl ein Drittel der Patienten über die Heimdialyse versorgt seien.

Prekäre Situation

Die Situation sei prekär, heißt es im Krankenanstaltenverbund, weil Patienten aus dem niederösterreichischen Umland zu versorgen seien. Eine lange Anreise in entlegene Einrichtungen sei Patienten nicht zumutbar. Ein Umstand, den Experte Hörl bestätigt. Gesundheitsstaatssekretär Reinhart Waneck (FP) kritisiert, dass es in Mödling eine private Dialysestation gebe, sie aber keinen Kassenvertrag habe. Er will an Landeshauptmann Erwin Pröll schreiben, damit ein solcher Vertrag abgeschlossen werde. (aw, DER STANDARD Printausgabe 16.9.2003)

Nachlese

Dialyse erst nach Mitternacht - Grüne befürchten Engpass, Versorgung sicher laut Spitalsdirektion
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