Grasser hat sich mit Geheimtipps eingedeckt

27. Oktober 2003, 14:32
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Der "Kleinanleger" in Groß - Vorkämpfer der New Economy hat keine derartigen Aktien im Depot

Wien - Der "typische Kleinanleger", wie Börsenchef Stefan Zapotocky ihn bezeichnet hat, ist Finanzminister Karl-Heinz Grasser nicht wirklich. Grasser hat sich nämlich überwiegend Geheimtipps gekauft, die für österreichische Privatanleger kaum zugänglich sind. Seine 150.000 Stück in Octagon Industries etwa bleiben erratisch, nicht einmal via internationaler Finanzagentur Bloomberg ist ein solches Unternehmen als derzeit börsennotiert auffindbar.

Interessant ist sein Engagement in sehr gering kapitalisierte und sehr illiquide kanadische Unternehmen, die nicht einmal unter "Spezialitäten" auftauchen. Für sein Investment (240.000 Stück Anteilsscheine) in den kanadischen Penny-Stock Black Hawk etwa oder seine 25.000 Stück am kanadischen Patentsammler Patent Enforcement braucht es wohl einige kanadische Expertise (möglicherweise etwa aus alten Magna-Verbindungen), genauso wie sein Engagement in 6000 Stück YM Bioscience, eine Spezialistenfirma in der Krebsforschung.

Interessant auch, dass der Vorkämpfer der New Economy diese Aktien im Depot tunlich meidet. Ein Freund der Wiener Börse dürfte er auch nicht sein, auch solche Aktien fehlen bis auf Heid.

Vielleicht ist das Depot des Finanzministers aber ein guter Tipp: Laut Finanzagentur Bloomberg hat sich Black Hawk seit einem Jahr um 140 Prozent gesteigert. Um einen typischen Kleinanleger - in Österreich zeichnet er sich durch ein Sparbuch, einen Bausparer und vielleicht noch einen Anleihenfonds aus - handelt es sich bei Grasser aber wohl nicht. (kbau, DER STANDARD, Print-Ausgabe vom 15.10.2003)

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