Ein Direktor, der keine Probleme macht

15. Oktober 2003, 10:31
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Ein Evergreen: Ioan Holender, bis 2010 als Herr über die Staatsoper verlängert, ist der Kopf des Tages

Vor wenigen Tagen wurde Ioan Holender gefragt, was er sich wünschen würde, wenn er drei Wünsche frei hätte, und der Staatsoperndirektor antwortete ganz unbescheiden: "Dass ich noch drei weitere habe." Der Wunsch nach weiteren drei Jahren zumindest wurde ihm erfüllt: Sein Vertrag läuft nun bis 2010.

Franz Morak, der Kunststaatssekretär, hatte nicht lange überlegen müssen: Für ihn ist Holender die beste Alternative zu Holender. Denn dieser, 1935 als Sohn eines Lebensmittelfabrikanten in Temesvar (Rumänien) geboren, habe die Staatsoper "auf hohem künstlerischem Niveau ins 21. Jahrhundert geführt", er scheue nie Innovatives und genieße bei der Entdeckung von Talenten "weltweite Anerkennung".

Das mit den Talenten stimmt schon. Über den Rest des Lobes hingegen kann man streiten: Die Zahl der Uraufführungen ist an einer Hand abzuzählen, künstlerisch-ästhetische Visionen sind äußerst rar, und noch immer gibt es Produktionen zu sehen, deren Bühnenbilder zu Staub zu zerfallen drohen. Aber keine Frage: Holender versteht sein Geschäft perfekt.

Bis er dieses unter Beweis stellen durfte, war es allerdings ein langer Weg: 1956 wurde Holender vom Maschinenbaustudium ausgeschlossen, drei Jahre später ging er nach Wien. Er arbeitete als Tennistrainer, als Statist und als Regieassistent. Mit einem Stipendium konnte er ein Gesangsstudium absolvieren und war Anfang der 60er-Jahre als Opernbariton tätig. 1966 trat er in die Theateragentur Starka ein, die er später als Inhaber weiterführte und zur größten in Österreich machte.

Im 53. Lebensjahr (1988) wurde er zum Generalsekretär der Volks- und Staatsoper ab 1991 berufen: Eberhard Waechter hatte auf ihn als Kodirektor bestanden. Nach dessen plötzlichem Tod im März 1992 setzte Holender das Programm allein um. Die Volksoper gab er 1997 ab, als Direktor der Staatsoper wurde er 1994, 1998 und 2001 im Amt bestätigt. Die Länge des Weges empfindet Holender, erst vor wenigen Jahren zum dritten Mal Vater geworden (Sohn Liviu trat beim Opernball 2003 auf), aber durchaus als wichtig: "Es rächt sich, wenn jemand zum Gipfel gelangt, ohne den Weg gegangen zu sein." Und er weiß, wovon er spricht: Sommer für Sommer kraxelt er in Lech auf die Berge.

Die Politik hatte mit ihm nie Probleme: Franz Vranitzky war sein Tennispartner, von der schwarz-blauen Regierung kritisierte er lediglich den Finanzminister. Holender führt sein Haus mit strenger Hand und eisernem Willen zur Sparsamkeit: Unnötige Glühbirnen lässt er rausschrauben, und einen Maskenbildner herrschte er an, weil dieser die Haarnadeln, die zu Boden gefallen waren, nicht aufhob. Natürlich geht Holender mit gutem Beispiel voran: Den Dienstwagen hat er aufgegeben. Er fährt mit den Öffis. (DER STANDARD; Printausgabe, 15.10.2003)

Von
Thomas Trenkler
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    Ioan Holender (68)

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