Raidl kontert "engstirnigen Steirern"

17. Oktober 2003, 19:11
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Der nahende Verkauf des staatlichen Böhler-Anteils bringt nicht nur die steirische SPÖ auf die Palme, sondern auch General Claus Raidl

Wien - "Der international erfolgreiche Kurs von Böhler-Uddeholm darf nicht durch provinzielle Repolitisierung und Verländerung gefährdet werden." Böhler-Chef Claus Raidl war am Mittwoch kaum zu bremsen, als ihn der Standard zu den Bestrebungen der steirischen SP, im Zuge der Privatisierung über den Landesenergieversorger Estag 25 Prozent am Edelstahlerzeuger Böhler-Uddeholm zu erwerben, befragte.

Raidl, der stets auf eine Vollprivatisierung des Weltmarktführers bei Werkzeugstahl durch die Verstaatlichtenholding ÖIAG gedrängt hatte, sieht die steirischen Avancen nicht nur als "Provinzposse", sondern als ernsthafte Gefahr: "Steirische Politiker wollen in der Steiermark Stimmen maximieren und haben kein Interesse am Erfolg des weltweit tätigen Böhler-Uddeholm-Konzerns."

Kein steirisches Unternehmen

Außerdem sei Böhler gar kein steirisches Unternehmen, 60 Prozent der rund 10.000 Mitarbeiter sind in Schweden und Deutschland, zirka 800 in Niederösterreich, der Rest in der Steiermark und natürlich in Wien (Konzernleitung) beschäftigt. Im Übrigen würden die schwedischen und deutschen Beschäftigten die Vollprivatisierung ausdrücklich begrüßen, betonte Raidl. Zu Bedenken gibt der seit Jahrzehnten in der Verstaatlichten tätige BU-Chef, dass eine Landesbeteiligung andere Investoren abschrecken würde, "weil sie berechtigte Angst haben, dass engstirnige steirische Interessen zulasten der Gesamtbelegschaft und des Gesamtkonzerns durchgesetzt werden sollen." Das habe die Geschichte der Verstaatlichten eindrücklich gezeigt.

Dass die ÖIAG den Steirern unter Führung von SP-Chef Franz Voves Mitte November tatsächlich mit Böhler-Aktien bedacht werden könnten, halten Beobachter übrigens für ausgeschlossen, nachdem bei der Voest nicht einmal die Oberösterreicher Erfolg gehabt hätten.

"Nicht sozial, sondern engstirnig#

Die steirische Industriellenvereinigung (IV) spricht sich denn auch dagegen aus: "Den Politikern, die wider besseres Wissen oder unwissend gegen die Privatisierung auftreten, ist zu sagen: Sie handeln nicht sozial, sondern engstirnig. Böhler-Uddeholm und die Menschen, die in diesem Unternehmen arbeiten, verdienen nicht diese Politik, sondern Professionalität", so eine offizielle Stellungnahme der IV. Der steirische IV-Chef Thomas Krautzer zum Standard: "Soll das Match jetzt Lappland gegen Steiermark heißen? Die beste Absicherung der Standorte ist noch allemal eine Verbesserung der Rahmenbedingungen." In diese Kerbe schlägt auch Raidl, der es für wichtig hält, dass sich die Steiermark, wie bisher, über Forschung und Entwicklung und Qualifizierungsoffensiven stärke.

Von den um Rechtsanwalt Rudolf Fries versammelten Böhler-Aktionären verlautete am Mittwoch, dass sie ihre BU-Aktien im Fall einer Landesbeteiligung sofort verkaufen würden. (Walter Müller, Luise Ungerboeck, DER STANDARD Printausgabe, 16.10.2003)

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    ÖIAG-Beteiligungen

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    Böhler-Uddeholm Chef Raidl verwehrt sich gegen provinzielle Repolitisierung und Verländerung

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