Vier NS- Widerstandskämpfer nach 59 Jahren rehabilitiert

15. Oktober 2003, 15:43
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Sie traten gegen Euthanasie in Hartheim auf

Linz - Genau 59 Jahre hat es gedauert, bis jetzt vier Widerstandskämpfer rehabilitiert wurden, die in der NS-Zeit gegen die Ermordung von behinderten Menschen im Schloss Hartheim in Oberösterreich gekämpft haben. Das berichtet die "Oö. Rundschau" in ihrer am Mittwoch erscheinenden Ausgabe.

Ignaz Schuhmann und Leopold Hilgarth waren am 3. November 1944 vom Volksgerichtshof unter anderem wegen Vorbereitung zum Hochverrat zum Tode verurteilt worden, zwei Komplizen zu Haftstrafen. Die beiden Todesurteile wurden im Jänner 1945 vollstreckt. Erst im September diesen Jahres wurde das Urteil auf Antrag eines Hinterbliebenen als "nicht erfolgt" erklärt, also aufgehoben.

Walter Hilgarth, Sohn eines der Widerstandskämpfer, ist nach langen Recherchen auf ein Gesetz der provisorischen Regierung aus dem Jahre 1945 gestoßen, das die Aufhebung von Strafurteilen und Einstellung von Strafverfahren wegen Hochverrat, Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung aus dem "Dritten Reich" vorsieht. Er stellte einen Antrag auf Aufhebung und zehn Wochen später stimmte das Landesgericht für Strafsachen in Wien dem Antrag zu.

Die Oö. Rundschau zitiert seine Kritik: "Ich finde es sonderbar, dass sich Angehörige der Verurteilten, die lange nach dem Krieg noch als Kinder von Kriegsverbrechern angepöbelt wurden, die Fakten auffinden müssen, um die Rehabilitierung ihrer Väter und Mütter herbeizuführen." "Per Gesetz hätte die Aufhebung von Amts wegen geschehen müssen", so der zuständige Richter Wilhelm Mende. Warum das aber nach dem Krieg nicht geschehen sei, könne heute nicht mehr nachvollzogen werden. (APA)

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