Brasilien: Vize-Parlamentspräsident wegen Sklavenhaltung angezeigt

15. Oktober 2003, 22:27
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Großgrundbesitzer will von seinen Zwangsarbeitern nichts gewusst haben

Brasilia - Der stellvertretende Präsident der Abgeordnetenkammer ist in Brasilien wegen Sklavenhaltung angezeigt worden. Wie Medien am Dienstag in Brasilia unter Berufung auf die Staatsanwaltschaft berichteten, soll der konservative Abgeordnete Inocencio De Oliveira im vergangenen Jahr auf einem seiner Landgüter im nordöstlichen Bundesstaat Maranhao Dutzende von Arbeitern unter sklavenähnlichen Bedingungen gehalten haben.

53 Landarbeiter befreit

Es gibt den Angaben zufolge mehrere Zeugen, die Oliveira schwer belasten. Darunter seien vier Opfer, zwei so genannte Sklavenvermittler sowie eine Beamtin des Arbeitsministeriums, die im März vergangenen Jahres eine Inspektion des Ministeriums und der Bundespolizei in der Fazenda von Oliveira geleitet hatte. Dabei seien 53 Landarbeiter befreit worden, hieß es.

"Nichts gewusst"

Oliveira teilte mit, er sei von der Anzeige "überrascht" worden. "Ich dachte, die Sache sei schon zu den Akten gelegt worden. Es war doch bewiesen, dass ich nichts davon gewusst habe", sagte der Abgeordnete der konservativen Partei der Liberalen Front (PFL), des wichtigsten Koalitionspartners der früheren Regierung des Sozialdemokraten Fernando Cardoso (1994-2002).

25.000 Zwangsarbeiter

Die katholische Pastorale Landkommission (CPT) sprach jüngst von einer "erschreckenden Zunahme der Sklaverei" in Brasilien. Mehr als 25.000 Menschen seien Zwangsarbeit unter schlimmsten Bedingungen unterworfen. Die Interamerikanische Menschenrechtskommission hatte Brasilien in den vergangenen Jahren mehrfach wegen unterlassener Hilfeleistung für missbrauchte Bauern verurteilt.

Seit der Amtsübernahme des neuen Präsidenten Luiz Inacio "Lula" da Silva im Jänner dieses Jahres wurden in Brasilien in 41 Aktionen des Arbeitsministeriums und der Bundespolizei bereits 2662 Bauern befreit, die unter sklavereiähnlichen Bedingungen gehalten wurden. Im gesamten vergangenen Jahr waren 2156 Bauern befreit worden. (APA/dpa)

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CPT - Pastorale Landkommission

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Inocencio De Oliveira

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